Wolfgang Alber, Brigitte Bausinger und Hermann Bausinger (Hrsg.): Albgeschichten

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Wolfgang Alber, Brigitte Bausinger und Hermann Bausinger (Hrsg.): Albgeschichten

Klöpfer & Meyer Verlag Tübingen 2008. 319 Seiten. Gebunden € 19,90. ISBN 978-3-940086-13-6

Titelblatt

Lange galt die Schwäbische Alb als ein raues und unwirtliches Land, als Schwäbisch Sibirien, in dem es Steine gab und wenig Brot, vom Wasser ganz zu schweigen. Erst der romantische Blick des frühen 19. Jahrhunderts prägte das Bild vom Meer an Landschaft, von Schwäbisch Arkadien. Und tatsächlich aus der Ferne kann man die Schwäbische Alb immer noch so erleben, wie Eduard Mörike dies seinem wandernden Schustergesellen im Stuttgarter Hutzelmännlein in den Mund legt, als eine wundersame blaue Mauer ausgestreckt, als eine Kette geheimnisvoller schöner Glasberge, hinter denen der Königin von Saba Schneckengärten liegen.

Die meisten der heutigen Besucher nehmen die Schwäbische Alb als Freizeitregion wahr, in der man erholsam an Ruinen entlang wandern, Landschaft erleben und genießen kann. Und wer sich darauf einlässt, kann dabei vieles entdecken und erfahren. Zahlreiche Publikationen bieten Informationen, Wandervorschläge, Radtouren. Bildbände geben Anregungen, halten die Landschaften fest.

Neu, einmalig und ganz anders ist der Albführer, den jetzt Wolfgang Alber, Brigitte Bausinger und Hermann Bausinger vorgelegt haben, drei ausgewiesene Kenner der Schwäbischen Alb, ihrer Geschichte, ihrer Menschen, Landschaft und Literatur. In ihrem Band Albgeschichten versammeln sie, klug und repräsentativ ausgewählt, Erzählungen, Essays, Prosaskizzen und Gedichte aus zwei Jahrhunderten – von Friedrich Hölderlin, Ludwig Uhland, Wilhelm Hauff, Eduard Mörike, Justinus Kerner, Hermann Kurz und Gustav Schwab bis hin zu Johannes R. Becher, Gerd Gaiser, Hellmut G. Haasis, Peter Härtling, Margarete Hannsmann oder Uwe Zellmer. Rund 60 Autoren und Autorinnen kommen zu Wort, manche mehrfach.

Die Anordnung der Texte, nicht chronologisch, sondern thematisch, ist gut bedacht und ermöglicht dem Leser, sich die Alb Stück für Stück zu erschließen. Deutlich wird, dass sich die Herausgeber der Schwäbischen Alb selbst als einer Art Lesebuch angenähert haben, reich an Geschichte und voller Geschichten; ein Buch, in das Geologie und Geographie, politischer und kultureller Wandel, soziale und wirtschaftliche Entwicklung eingeschrieben sind. Auf diese Art gelingt es ihnen auch, uns Lesern die Augen zu öffnen, beispielsweise für die Zusammenhänge zwischen naturräumlichen Gegebenheiten und menschlicher Siedlung, für Kargheit und Elend, für Naturschönheiten, die sich dann über eigenwillige Sprachbilder erschließen.

Entstanden ist eine wunderbare Sammlung klassischer und moderner Texte zum Genießen, zum Nachdenken, zum Lesen vor Ort. Zu Recht nennt es der Verlag ein literarisches Schatzkästlein, ein Vademecum. Entstanden ist ein schönes Buch, das aber nicht schönt und sich nicht scheut, auch an schmerzliche Ereignisse und Stätten zu erinnern. So findet man im Buch nicht nur mein Lieblingsgedicht über die Alb von Eduard Mörike – Da seid ihr alle wieder aufgerichtet, / Besonnte Felsen, alte Wolkenstühle! –, sondern auch Werner Dürrsons Gedicht Grafeneck, das in lyrischen Tönen grauenhaften Geschehens gedenkt: Kein flatterndes Band im Wind kein Hauch nichts steigt aus den Wiesen … wer drehte den Hahn auf schürte das Feuer warf sie hinein.

(Wilfried Setzler)