Immo Eberl: Die Zisterzienser. Geschichte eines europäischen Ordens

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Immo Eberl: Die Zisterzienser. Geschichte eines europäischen Ordens

Titel mit Kreuzgang

Jan Thorbecke Verlag Stuttgart, 2002.
616 S. mit einer Karte. Gebunden 29,90 Euro. ISBN 3-7995-0103-7

Unterstützt vom burgundischen Adel vollzogen am 21 März 1098, dem Tag des Heiligen Benedikt, feierlich und symbolische ausgerichtet, etwa zwei Dutzend Mönche, die samt ihrem Abt Robert wegen ihrer asketisch-rigorosen Reformforderungen die Abtei Molesme hatten verlassen müssen, in der Einöde von Cistercium den Gründungsakt eines neuen Klosters. Auf der Mönchs-Regel Benedikts aufbauend, die in strenger Konsequenz ausgelegt wurde, entwickelte sich in wenigen Jahren aus dem Novum Monasterium ein neuer, 1119 von Papst Calixt II. bestätigter Orden, der sich rasch in Europa ausbreitete. Einen großen Anteil daran hatte vor allem Bernhard von Clairvaux, der im Frühjahr 1113 mit dreißig adligen Begleitern in Citeaux eingetreten war. Noch im selben Jahr wurde ein erstes Tochterkloster gegründet, 1119 bestand der neue Orden aus 12 Abteien, beim Tod Bernhards 1153 gehörten ihm 333 Klöster an. Bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts stieg deren Zahl auf 647. Damit war fast schon die Kulmination erreicht: 1675 zählte man 742 Abteien, heute sind es nach großen Einbußen, vor allem im 18 und 19. Jahrhundert (wieder) rund 160 Männer- und rund 120 Frauenklöster allgemeine und strenge Observanz umfassend.

Zwar räumt Immo Eberl, wie andere Darstellungen zur Geschichte des Zisterzienserordens – etwa die 1958 erschienene Gesamtdarstellung von P. Ludwig Lekai oder das bis 1986 mehrere Auflagen erlebende Werk von Ambrosius Schneider Die Cistercienser. Geschichte-Geist-Kunst – der faszinierenden und überaus erfolgreichen Frühgeschichte des Ordens einen breiten Raum ein (S. 11–256), doch wendet er sein Augenmerk in Ausführlichkeit auch auf die jüngere Ordensgeschichte, wobei er Themen und Fragenkomplexe aufgreift, die bislang eher stiefmütterlich behandelt wurden. So berücksichtigt er in der neueren Geschichte des Ordens eben auch dessen Verhältnis zu den Frauen, beschreibt die Auswirkung der Spiritualität auf die Architektur und Kunst, beleuchtet die Rolle von Wissenschaft und Studium, von Wirtschaft und Handel im Orden, untersucht die Bedeutung der Zisterzienser in Amerika, Afrika und Asien. Dem Thema dienlich ist auch, daß hier nun erstmals kein Ordensmann eine Gesamtdarstellung und -würdigung unternimmt, sondern ein Historiker, der – bei aller erkennbaren Zuneigung und Sympathie – eher von außen blickt und dadurch auch manches anders sieht und gewichtet.

Ein ausführliches und weiterführendes Literaturverzeichnis beschließt den Band, den man nicht nur den Fachleuten, den Historikern und Theologen, sondern allen an Geistesgeschichte Interessierten empfehlen kann. Das einzige, was fehlt, ist ein Ortsregister.

(Wilfried Setzler)