Gerhard Raff: Hie gut Wirtemberg allewege III

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Gerhard Raff: Hie gut Wirtemberg allewege III

Titelblatt

Das Haus Württemberg von Herzog Wilhelm Ludwig bis Herzog Friedrich Carl mit den Linien Stuttgart, Winnental, Neuenstadt am Kocher, Neuenbürg, Mömpelgard und Oels, Bernstadt und Juliusburg in Schlesien und Weiltingen.
Hohenheim Verlag Stuttgart, 2002.
902 S. mit einigen Abbildungen. Leinen 50,- Euro. ISBN 3-89850-084-5

Endlich ist er da: Gerhard Raffs dritter genealogischer Band zum Hause Württemberg. Und wieder ist es ein gelungenes Nachschlagewerk von hoher Qualität geworden. Wie seine beiden Vorgänger vereint er Biographien von Angehörigen der württembergischen Dynastie. Nachdem in den Bänden I und II die ersten 13 Generationen vorgestellt wurden, beschäftigt sich der Band III ausschließlich mit der 14 Generation, mit den Urenkelinnen und Urenkeln von Herzog Friedrich I. (1557 bis 1608) sowie mit deren Ehefrauen. Dabei muß der Autor nun verschiedenen Familienzweigen nachgehen, verästelte sich die Familie doch in der Nachkommenschaft Friedrichs. Unter seinen Söhnen entstanden neben der Stuttgarter Hauptlinie die Linien Mömpelgard und Weiltingen, in der Enkelgeneration spaltete sich die Hauptlinie nochmals in die Seiten Neuenstadt und Neuenbürg und die Weiltinger Seitenlinie in die Zweige Oels, Oels-Bernstadt und Oels-Juliusburg.

Insgesamt 69 Mitglieder der württembergischen Dynastie – Regenten, früh verstorbene Kinder, Ehefrauen –, alle also Angehörige einer Generation stellt der Autor vor, wobei sich der zeitliche Rahmen von 1637 bis 1748 spannt. Bei seinen Personenbeschreibungen, die – wenn es die Quellen zulassen – recht ausführlich sind, geht Raff nach bewährtem Muster vor. So gliedert er jede Biographie in 15 Rubriken, was dem Leser hilft und ihm eine schnelle Orientierung ermöglicht.

So nennt der Autor zunächst den Namen, das Geburts- und Todesjahr sowie den Titel, dann den Beinamen, die Regierungszeit, die persönliche Devise, Eltern und bedeutende Voreltern. Es folgen die genauen Daten zum Geburtstag und der Geburtsstätte, zur Taufe und Vermählung, zu den Kindern, zum Tod und Begräbnis, zum Grabmal, Epitaph und Sarg. Das Ganze schließt, mit ausgewählten Lebenszeugnissen und kritischen Urteilen im Lauf der Jahrhunderte. Das Besondere, was auch diesen Band auszeichnet: Raff läßt in seinen Rubriken ausschließlich die historischen Quellen zu Wort kommen, egal ob es sich dabei um einen Eintrag zur Taufe, um die Inschrift auf einem Sarg oder den Kommentar eines Zeitgenossen zur betroffenen Person handelt.

Außerordentlich wertvoll sind Raffs Anmerkungen, in denen er nicht nur alle Zitate belegt, sondern auch andere Meinungen widergibt, abweichende Daten, Varianten nennt und diskutiert. Hierin zeigt sich nicht nur eine außergewöhnliche Kenntnis der Quellen, der geschichtlichen Zeugnisse, der Hinterlassenschaften ganz allgemein, sondern auch eine nahezu perfekte Handhabung des Werkzeugs eines Historikers, gepaart mit einer sorgfältigen Abwägung aller überlieferten Daten. Entstanden ist so ein unentbehrliches Werk für alle, die sich mit württembergischer Geschichte und Genealogie beschäftigen. Zugleich ist es aber auch als Quellenedition eine herausragende Fundgrube für andere wissenschaftliche Disziplinen, für Landeshistoriker, Volkskundler, Germanisten, Kulturwissenschaftler.

Das Gesamtwerk Hie gut Wirtemberg allewege ist also weiter vorangekommen. Allerdings fehlen noch einige Generationen des Hauses Württemberg auf dem Weg zum Heute. Doch wer Raff kennt, weiß, daß dieser auch geprägt ist von einer ganzen Zahl von schwäbischen Eigenschaften, wozu auch gehören Fleiß, Finderglück, Zähigkeit, Ausdauer, Disziplin, Verläßlichkeit. Man darf also getrost auf den nächsten Band warten. Er wird kommen, zumal der wichtigste Antriebsmoment von Gerhard Raffs weiteren Studien und Forschungen nach wie vor in ihm glüht und lebt, jener Motor nämlich, den er selbst in Anlehnung an die Devise des gelehrten Abtes Christian Tubingius aus Blaubeuren als Wahlspruch allen drei Bänden vorangestellt hat: Amor patriae Alemanniae. Bleibt nur zu wünschen, daß diese Liebe zum schwäbischen Vaterland uns bald einen vierten Band beschert. Wir warten darauf.

(Wilfried Setzler)