Mühlen im Schwäbischen Wald.
Bohn, Eberhard (Bearb.). Hrsg. vom Landratsamt des Rems-Murr-Kreis 2009. 104 Seiten mit vielen farbigen Abbildungen. Hardcover € 12,80. ISBN 978-3-00-028319-2

Schwäbischer Wald – Mühlenland! Im Schwäbischen Wald wird die größte Mühlendichte Württembergs verzeichnet, was angesichts der eher landwirtschaftsungünstigen Region schon bemerkenswert ist, und dazu noch die größte zeitgeschichtliche Vielfalt in der Mühlentechnik. Die meisten Mühlen mahlen nicht mehr, aber drehen tun sich noch viele – nicht zuletzt gerettet und restauriert durch ehrenamtliche Helfer –, seien es Getreidemühlen, Sägemühlen, Ölstampfen oder »Mühlen« der Lederbearbeitung. Die Mühlenfreunde und viele Wanderer und Spaziergänger freut es, der 32 Kilometer lange Mühlenwanderweg, einst auf Initiative des Landrats Horst Lässing eingerichtet, erfreut sich großer Beliebtheit.
Informationsmaterial zum Schwäbischen Wald und den Mühlen gibt es eigentlich nicht wenig, liegen doch die Mühlen im Naturpark, dessen Verwaltung sich nicht zuletzt die Regionalgeschichte angedeihen lässt. Das vorliegende Büchlein oder Heft ist freilich eine Publikation eigener Art, pädagogisch und touristisch zugleich, teils bestechend formuliert, vermag Lesefreude zu versprühen, macht richtig Lust, das Beschriebene, den Schwäbischen Wald und seine Mühlen, zu besuchen und vor Ort sich von der Mühlenromantik einfangen zu lassen.
Einen beträchtlichen Anteil an dem positiven Eindruck hat die sehr ansprechende grafische Gestaltung des Bändchens, die weder werbe- noch schulbuchmäßig wirkt, eher literarisch und auch ein wenig künstlerisch. Und dass – wenn auch in dem Band mehrere Gedichte zum Abdruck kamen – es doch um Wissensvermittlung geht, um Mühlengeschichte etwa (eine geniale Erfindung), um Technik (wie funktioniert eine Mühle), um (Land-)Wirtschaftsgeschichte bis hin zur kleinen Getreidekunde, um das Müllerhandwerk zwischen ehrenwertem und unehrlichem Beruf, um den Bau von Mühlrädern, um die Müller und ihre Familien, die Knechte und erdluitle, die schwäbische Form der Heinzelmännchen, und schließlich um die Mühlen heute, wo sie noch arbeiten oder »bloß« touristischen und musealen Zwecken dienen.
Das ganze ist oft locker geschrieben, wenn etwa der »Zeidongsfritze« und ehemalige Redakteur der «Stuttgarter Zeitung» im Rems-Murr-Kreis Ottmar Letzgus die launigen und anregenden einführenden Seiten verfasst oder den amtierenden Landrat Johannes Fuchs interviewt, ebenso im Interview zum Leben des greisen – und knitzen, liebenswürdigen –, noch immer rüstigen Meuschenmühlen-Müller Karl Grau, einst als Müllersknecht von seiner letzten Chefin als Nachfolger eingesetzt, weil er so fleißig war und sie wusste, dass er die Mühle bestimmt nicht verkaufen würde. Ein übriges tut die sehr glückliche Auswahl oft ästhetischer, »romantischer«, meist in ausreichender Größe reproduzierten Fotografien, ob historisch oder zeitgenössisch.
Die Spiralbindung entpuppt sich als sehr gelungene Variante einer Bindung, lässt sich das Bändchen so wunderbar plan aufklappen. Allenfalls wird man vielleicht Angaben zum Mühlenwanderweg und die Möglichkeit zur Besichtigung außerhalb des jährlichen Mühlentags und des Tags des Schwäbischen Waldes vermissen. Alles in allem: Landeskunde vom Besten, zur Nachahmung empfohlen!
Raimund Waibel
