Thomas Pfündel, Eva Walter und Theo Müller: Die Pflanzenwelt der Schwäbischen Alb

Konrad Theiss Verlag Stuttgart 2005.
239 Seiten mit über 300 farbigen Abbildungen. Gebunden € 29,90
ISBN 3-8062-1956-7
Um es vorwegzunehmen: Dieser schöne und lehrreiche Bildband ist ein Genuss, sowohl für den Laien wie für den Kenner der Albflora. Lesenswert für den Neuling, der sich erstmals der Pflanzenwelt der Schwäbischen Alb nähert wie für den Botaniker! Der Titel lässt aufhorchen, erinnert er doch an das Standardwerk von Robert Gradmann: Das Pflanzenleben der Schwäbischen Alb. Das ist so gewollt und die Autoren berufen sich ausdrücklich auf ihren großen Vorläufer.
Hervorzuheben sind zunächst einmal die zauberhaften Bilder von Blumen, Lebensräumen und Landschaften. Nicht von ungefähr ist die Botanik eine scientia amabilis, eine liebenswerte Wissenschaft. Der Text ist gut verständlich und verzichtet bewusst auf wissenschaftliche Fachwörter und erst recht auf pseudowissenschaftliche Schlagwörter. Auch Füllwörter fehlen, dafür gibt es eine Fülle vor glasklaren Informationen:
Das Eingangskapitel befasst sich mit dem Naturraum der Schwäbischen Alb, mit ihren Oberflächenformen und geologischen Gegebenheiten. Alle Beschreibungen werden mit Hilfe aussagekräftiger Fotos erläutert - vom Zeugenberg bis zum Fleinsboden.
In vier Hauptkapiteln wird die Vegetation der Schwäbischen Alb: vorgestellt. Die ersten drei behandeln die Lebensräume der Felsen, der Wälder und der Gewässer, das vierte widmet sich der besonders stark vom Menschen geprägten Pflanzenwelt, wozu alle Wiesen und Weiden gehören, die es ohne Kultur nicht gäbe. Nacheinander werden verschiedene Pflanzengesellschaften mit ihren Standortbedingungen, Lebensformen und charakteristischen Vertretern erläutert, mal als spezifische Gesellschaft, so der Waldgersten-Buchenwald, mal im Rahmen einer höheren Einheit wie die Linden-Ahornwälder. Schön ist, dass gerade die wenig bekannten, kleinflächigen Lebensräume wie die Balmen oder die Quellsümpfe behandelt werden, wobei offensichtlich die trockenen Föhrenwälder in drei unterschiedlichen Ausprägungen die besondere Neigung der Autoren haben. Ihre ganze Liebe jedoch gehört den Blumen der einmähdigen Wiesen und Wacholderheiden.
Die Gefährdung und Schutzbedürftigkeit dieser Pflanzenwelt wird nicht als Anhängsel ins Schlusskapitel gestellt, sondern durchzieht das Buch wie ein roter Faden. Ein Naturfreund muss heute nämlich weit gehen, will er diesen Pflanzen begegnen. Es gibt sie fast nur noch in flächengeschützten Gebieten, und so sind der Schutz und die Bewahrung dieser besonders schönen und einmaligen Pflanzenwelt die eigentliche Botschaft dieses Buches und der Auftrag an seine Leser.
Das abschließende Naturschutzkapitel informiert über die Naturschutzarbeit der Vereine und Verbände und über die beiden Naturschutzzentren auf der Schwäbischen Alb. Ästhetisch ansprechend ist die harmonische Gestaltung von Textteil, Fotos und Bildunterschriften. Eine saubere und gewissenhafte Verlagsarbeit! Ein Mangel ist das unschön auf zwei Halbseiten untergebrachte klein gedruckte Register. Besonders bedauerlich ist es, weil allein dieses Register die wissenschaftlichen Pflanzennamen aufführt, die der Leser vielleicht nachschlagen möchte. Überhaupt beschränkt sich das Register auf die abgebildeten Pflanzenarten, was schade ist, denn das Buch ist, obgleich gut getarnt, auch ein naturkundliches Lehrbuch. Obwohl es kein Pflanzenführer oder Nachschlagewerk sein will, so eignet es sich doch vortrefflich für die Nacharbeit oder Vorbereitung von Exkursionen auf der Schwäbischen Alb.
(Hilde Nittinger)
