Dieter Buck: Quellenziele im Ländle

Wandern, Entdecken, Erleben. Silberburg-Verlag Tübingen 2008. 160 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. Broschur 14.90 Euro. ISBN 3-87407-776-4
Orte, wo Wasser aus der Tiefe an die Oberfläche tritt, umgibt eine ganz besondere Aura, wovon nicht zuletzt die vielen Quellheiligtümer der Kelten, Römer, Germanen und vieler anderer frühgeschichtlicher Völker zeugen. Und wohl schon der Steinzeitmensch wird vom jungfräulich sprudelnden Nass fasziniert gewesen sein; eine Faszination die wir noch heute mit unseren Vorfahren teilen, sei es angesichts herrlicher Quelltöpfe im Karst, sei es staunend vor Sturzquellen, die sich als Wasserfall direkt aus dem Felsen in die Tiefe stürzen; aber auch noch das kleinste Rinnsal und die feuchte Quellwiese haben ihren Reiz, wenn man sich vergegenwärtigt, zu welchem großem Wasserlauf die paar Tropfen anschwellen werden.
Wanderung zu Quellenzielen im Ländle schlägt der renommierte Verfasser vieler Wander- und anderer Touren Dieter Buck vor, womit er mit Ländle im Wesentlichen Württemberg meint: die Wanderungen liegen in einem Dreieck, dessen Eckpunkte Furtwangen und Herrenalb im Schwarzwald und Bopfingen in Ostwürttemberg sind, nur zwei Ziele liegen südlich der Donau (bei Stockach), keine nördlicher als Backnang. Das Unterland also ist ausgespart.
Nicht weniger als 42 Wanderungen beschreibt der Autor: zu den Quellen von Aach, Alb, Ammer, Blau, Braunsel, Breg, Brenz, Brühlbach, Donau, Echaz, Eger, Enz, Elz, Eyach, Fehla, Fils, Glems, Jagst, Kinzig, Kocher, Lauchert, Große Lauter, Lindach, Lone, Murr, Nagold, Neckar, Pfinz, Rems, Schlichem, Schmiecha, Wiesaz, Würm, Zaber und Zwiefalter Aach, dazu einige Wanderungen zu Brunnen-Quellen, deren Wasser bald wieder versickert.
Von dem einen oder anderen Wasserlauf wird der Leser vielleicht zum ersten Mal hören - was bezeugt, dass es um die geographischen Kenntnisse in der Heimat immer schlechter bestellt ist, doch eine Karte im Buch hilft weiter -, andere durchaus bedeutendere Flüsse und Bäche wird man vergebens suchen. Das erklärt sich wohl auch dadurch, dass sich für manche Quellen schwer eine attraktive Wanderung kreieren ließ wie etwa für die Quelle der Körsch, deren einer, längerer Quellbach im Wald des Stuttgarter Vororts Vaihingen entspringt, um recht bald in einer Dohle zu verschwinden.
Routiniert beschreibt der Autor die bis wohl auf eine Ausnahme - eine Wanderung entlang der jungen Ammer nach Herrenberg, wo man die Ammertalbahn zurück nach Altingen erreicht - Rundwanderungen: der Wegverlauf wird beschrieben, sehr reich bebildert, unterstützt von einem Kartenbild, die Quelle selbst, auch deren Geschichte, interessante Sehenswürdigkeiten der näheren Umgebung sind stichwortartig aufgeführt; auch die nötigen technischen Angaben fehlen nicht: Länge der Wanderung, Dauer, Höhenunterschied, Kartenempfehlung ... und natürlich die Einkehrmöglichkeit.
Warum man aber als Grundlage der veröffentlichten Karten eine Karte im Maßstab von 1:100.000 verwendet, um diese dann auf 1:50.000 aufzublasen, ohne natürlich den größeren Informationswert des kleineren Maßstabs zu erreichen, vermag nicht einzuleuchten. Ein wenig ärgerlich ist auch, dass in einer ganzen Reihe von Kartenausschnitten die angewanderte Quelle nicht markiert ist und in anderen nicht gerade ins Auge springt.
Dieter Buck beschreibt, dem Schema so vieler Wandervorschläge aus seiner Feder getreu, fast ausschließlich Rundwanderungen. Nun soll es Zeitgenossen geben, die den Reiz einer Wanderung vor allem darin sehen, von einem Punkt A zu einem Punkt B zu gelangen, nicht aber wie ein Verirrter in der Wüste abends müde wieder an jene Stelle zurückzukommen, die er morgens verließ. Mit anderen Worten: Einige Streckenwanderungen hätten das Schema wohltuend durchbrochen. Zwar sind Rundwanderungen praktisch, zugeschnitten auf die Kleinfamilie - wenn sie denn überhaupt noch wandert - und Wanderungen allein oder mit gerade so vielen Freunden, wie eben in ein Auto passen.
Zu mehreren wandern und zuvor ein Auto am Endpunkt platzieren, stellt nach Meinung des Rezensenten eine nicht minder reizvolle Variante dar. Wenigstens stichwortartig eine Alternative zum Kreisverkehr wäre schön gewesen, etwa eine Wanderung von Schelklingen und Ruine Hohenschelklingen nach Urspring zu Ach- und Urspringquelle, die Burgruine Justingen und das romantische Bärental nach Hütten und dann vielleicht noch eine Stunde weiter zur Schmiechquelle oder von Heubach über den Rosenstein mit seiner Ruine, die Höhlen Große Scheuer und Finsteres Loch, durch das Lapper- und Wäschbachtal nach Lauterburg und zur Quelle der Rems - auch hier überall historische Stätten, Kunstwerke und herrliche Panoramen. Doch ob rund oder lang: Die Quellen des Landes sind einen Ausflug wert. Das sehr empfehlenswerte Buch erweist dem Heimat- und Landschaftsfreund damit einen großen Dienst.
(Raimund Waibel)
