Martin Blümcke: Schlösser in Oberschwaben. Geschichte und Geschichten.

Mit Fotos von Winfried Aßfalg und Siegfried Geyer. Silberburg-Verlag Tübingen 2008. 159 Seiten, 130 farbige Abbildungen. Gebunden 19,90 Euro. ISBN 978-3-87407-692-0.
In einem handlichen Reiseführer stellt der frühere Vorsitzende des Schwäbischen Heimatbundes 26 Schlösser zwischen Donau, Bodensee und Allgäu vor. Ohne sich in allzu vielen Details zur Baugeschichte oder den handelnden Personen zu verlieren, erhalten Geschichte und Geschichten der jeweiligen Orte ausreichend Platz. Neue Aufnahmen und eine Übersichtskarte dienen als Illustrationen.
Die Betrachtungen sind in leicht lesbarer Form geschrieben und auch für denjenigen Leser gedacht, dem die südwestdeutsche Adelsgeschichte noch nicht geläufig ist. Dennoch werden auch diejenigen nicht enttäuscht sein, die bereits Vorkenntnisse besitzen, weil vieles wieder aufgefrischt werden kann.
Alle Möglichkeiten, sich einem Schloss zu nähern, werden gleichrangig behandelt: kunsthistorische Aspekte ebenso wie historische und zuweilen auch anekdotische. So wirft der Autor bei jedem Schloss auch einen Blick auf die Familien, die dort lebten und teilweise noch leben, um die Ursachen für die Bauten, ihre Gestaltung und Ausgestaltung, die Funktionen und Aufgaben durch die Jahrhunderte zu erläutern.
Überall dort, wo heute besondere Nutzungen zu finden sind - insbesondere Museen - geht Blümcke natürlich auch darauf ein und weiß aufgrund seiner unerschöpflichen volkskundlichen Kenntnisse das Besenmuseum im Schloss Mochental oder die Spielzeugsammlung in Aulendorf bestens in den kulturgeschichtlichen Zusammenhang einzuordnen.
Seine Hinweise sind also mehr als ausreichend und werden jedem Benutzer dieses Büchleins insbesondere beim Wochenendausflug sehr hilfreich sein, denn nur derjenige wird weiterführende Literatur zur Hand nehmen müssen, der tiefer dringen möchte, etwa in die Themenwelt barocker Deckenfresken oder in die jeweilige Stadt- oder Baugeschichte.
Schon die Kapitelüberschriften geben Hinweise darauf, dass sich Blümcke mit oberflächlichen, allseits bekannten Informationen nicht zufrieden geben wird, und machen Lust auf eine Fahrt nach Oberdischingen, Scheer und Königseggwald, nach Bad Wurzach und Kißlegg, nach Langenargen und Achberg. So erfahren wir bereits beim Überfliegen der Inhaltsangabe, dass der gräfliche Herr von Warthausen von Wieland verhext wurde, dass in Achberg 30 Tonnen Stuck von der Decke hängen, dass Tettnang zwar als protzig, aber unglaublich schön und heiter anzusehen ist, oder dass in Neufra hängende Gärten wie weiland in Babylon auf einen Besuch warten.
Kurzum: dieses Bändchen wird künftig ein wichtiger Begleiter für Ausflüge durch Oberschwaben sein, und es ist zu hoffen, dass sich in ähnlicher Aufmachung und Sprache, mit ebenso so guten Farbaufnahmen, bald weitere Bücher zu weiteren historischen Gebäuden der Region anschließen.
(Bernd Langner)
