Die mittelalterlichen Skulpturen. 2. Stein- und Holzskulpturen 1400-1530. Ulm und südliches Schwaben

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Die mittelalterlichen Skulpturen. 2. Stein- und Holzskulpturen 1400-1530. Ulm und südliches Schwaben

Titelblatt

Bearbeitet von Claudia Lichte und Heribert Meurer mit technologischen Beiträgen von Roland Hahn und Hans Westhoff. 2 Bände. Jan Thorbecke Verlag Ostfildern 2007. 335 und 207 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen. Pappbände 59,- €. ISBN 978-3-7995-8038-0

Das Landesmuseum Stuttgart enthält die bedeutendste Sammlung süddeutscher Skulpturen, sie zählt heute etwa 500 Werke. Nach der Museumsgründung 1862 wuchs sie rasch durch den Ankauf bedeutender Privatsammlungen, 1872 wurde dem Museum die Sammlung des Württembergischen Altertumsvereins übergeben.

Dieser Grundstock der Museumssammlung, unterschiedlich nach Qualität und Erhaltung zusammengesetzt, war stark von dem Geschmack der Sammler und Verkäufer geprägt. Ab 1900 ging man dann an den systematischen Ausbau der Sammlung. Von Kirchengemeinden, Bildhauern und Antiquitätenhändlern wurden Skulpturen erworben oder ersteigert. Julius Baum, Konservator der württembergischen Altertumsdenkmale in Stuttgart, Mitarbeiter an den Inventaren der mit der Denkmalpflege verbundenen Staatssammlung vaterländischer Altertümer, veröffentlichte 1917 einen ersten Skulpturenkatalog Deutsche Bildwerke des 10. bis 18. Jahrhunderts, 1923 folgte Deutsche Bildwerke des Mittelalters.

Überblicke über die Sammlung direkt entstanden erst nach dem Zweiten Weltkrieg, ein umfassender Katalog blieb lange ein Wunsch. 1989 erschien dann endlich der erste Band Die mittelalterlichen Skulpturen, Stein- und Holzskulpturen 800-1400 mit etwa hundert Bildwerken. Hervorragend bearbeitet von Heribert Meurer und erstmals mit technologischen Beiträgen von einem Konservator, von Hans Westhoff, setzte dieser Band Maßstäbe.

Der zweite vorliegende Katalog behandelt nun 159 Skulpturen aus der anschließenden Zeit bis 1530 aus Ulm, Oberschwaben und dem Bodenseegebiet, aus Bayerisch-Schwaben und dem Allgäu. Die bewährten Autoren des ersten Bands haben Unterstützung bekommen von kompetenten Kollegen. Hans Westhoff hat sich die technologischen Untersuchungen und Texte mit Roland Hahn geteilt. Dem Kunsthistoriker Heribert Meurer stand eine versierte Kollegin zur Seite, Claudia Lichte. Diese war an wichtigen Forschungen und Ausstellungen der letzten Jahre, die sich mit mittelalterlichen Skulpturen beschäftigt haben, beteiligt.

Die einzelnen Kapitel sind nach Landschaften und in sich chronologisch geordnet. Einigen Nachträgen zu Band 1 folgt die Ulmer Kunst. Mit dem Dornstadter Retabel und zahlreichen Einzelfiguren ist der weiche Stil repräsentativ vertreten. Es folgen Skulpturen von Hans Multscher, Michel Erhart, Niclaus Weckmann und Daniel Mauch, ihrem Umkreis und ihrer Zeit. Das Bodenseegebiet, Oberschwaben, das Allgäu und Bayerisch-Schwaben sind mit ihren verschiedenen Zentren stark vertreten. Material, Maße, Beschaffenheit des Materials sowie der Fassungen jedes Werks sind detailliertest technologisch beschrieben.

Genauso ist der ikonographische Inhalt, die Zuordnung zu einer Werkstatt, Provenienz und Einbettung in den kunsthistorischen Gesamtzusammenhang ausführlichst untersucht und zusammen mit einem umfangreichen Literaturverweis dargestellt. Das abschließende Kapitel führt die durch verschiedene Umstände abhanden gekommenen sowie inzwischen als Kopien erkannten Werke auf. In einem eigenen Band gedruckt, genügen auch die Abbildungen der Werke höchsten Ansprüchen.

Überzeugend auch der Anhang. Die Register, nach Ikonographie, Herkunftsorten, Künstlern, Vorbesitzern und Orten von erwähnten Werken sortiert, ermöglichen ein schnelles Auffinden einzelner Skulpturen. Mit diesen beiden Bänden ist eine wichtige Lücke geschlossen, für Forschung und Lehre sowie Liebhabern der mittelalterlichen Kunst.

Sibylle Setzler