Wolfgang Zimmermann / Nicole Priesching (Hrsgg.): Württembergisches Klosterbuch

Jan Thorbecke Verlag Ostfildern, 2003.
664 S. mit 480 meist farbigen Abbildungen. Gebunden 39,90 Euro (Subskriptionspreis; ab 1.1.2004: 48,- Euro). ISBN 3-7995-0220-3
Klöster und ihre Geschichte haben seit einiger Zeit Konjunktur. Nicht nur die Große Landesausstellung Baden-Württemberg zur Geschichte der Säkularisation im deutschen Südwesten zieht derzeit viele Menschen an, auch die in unserer Region ansässigen Klöster und Abteien verzeichnen steigende Gästezahlen. Und dabei spielt zunehmend nicht nur landes-, kultur- oder kunsthistorisches Interesse eine Rolle; viele Zeitgenossen beschäftigen sich auch aus tiefergehendem persönlichen Interesse an Religion und Spiritualität mit klösterlichem Leben, dem Leben zwischen der Vita contemplativa und der Vita activa.
Zur rechten Zeit ist daher nun ein stattlicher Band erschienen, der sich an Fachleute wie an das landeshistorisch interessierte, breite Publikum gleichermaßen wendet und der das Zeug zum Standardwerk hat: Das im Auftrag des Geschichtsvereins der Diözese Rottenburg-Stuttgart herausgegebene Württembergische Klosterbuch. Erstmals wird die Geschichte der Klöster in Württemberg – präzise: im Gebiet der Diözese – von ihren Anfängen bis heute in einer den aktuellen Forschungsstand kritisch sichtenden Gesamtschau dargestellt, werden ausführlich, umfassend und übersichtlich alle rund 400 Klöster von mehr als 120 Fachleuten vorgestellt.
Schon beim ersten Durchblättern des Buches entfaltet sich gleichsam ein ganzes Panorama klösterlicher Geschichte, das von den Anfängen des Mönchtums in fränkischer Zeit bis an die Schwelle des 21. Jahrhunderts reicht. Der Bogen spannt sich dabei von den monastischen Zentren und kleinen Frauengemeinschaften des Mittelalters über die mächtigen, prachtvollen Prälatenklöster des Barock bis hin zu den Kongregationen unserer Tage. Vertieft sich der Leser in den Band, so zeigt sich bald die ganze Vielfalt der Vita communis in all ihren Facetten.
Verantwortlich für den Band zeichnen zwei Herausgeber: Wolfgang Zimmermann, Vorsitzender des Geschichtsvereins der Diözese Rottenburg-Stuttgart, ist Leiter der Abteilung Landesforschung und Landesbeschreibung in der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg und mit zahlreichen Veröffentlichungen zur Landes- und Kirchengeschichte Südwestdeutschlands hervorgetreten; Nicole Priesching, Geschäftsführerin des Geschichtsvereins, ist Theologin und hat eine Dissertation zur Kirchen- und Mentalitätsgeschichte des 19. Jahrhunderts an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen abgeschlossen. Ihnen ist es in insgesamt dreijähriger Arbeit gelungen, zahlreiche Kooperationspartner und als Fachleute ausgewiesene Autoren für das Unternehmen zu gewinnen, die sich in ihren Beiträgen auf dem aktuellen Stand der Forschung befinden und gleichzeitig vermögen, diesen auch dem wissenschaftlich nicht vorgebildeten Laien anschaulich und auf das Wesentliche konzentriert darzustellen.
Das Klosterbuch gliedert sich in drei Teile: Der erste bietet in elf Überblicksartigen Aufsätzen zur Geschichte der Ordensgemeinschaften von den Anfängen bis zur Gegenwart jenen kultur-, wirtschafts- und sozialgeschichtlichen Hintergrund, vor dem sich im zweiten Teil die Beschreibung der einzelnen Gemeinschaften Württembergs ausbreiten kann. Dieser zweite Teil widmet sich in lexikalischem Zugriff den Klöstern und Stiften vor der Säkularisation, der dritte, ebenfalls in lexikalischer Form, den Ordensgemeinschaften heute, wobei die Herausgeber, klug auswählend, auf nur kurzfristig vertretene Gemeinschaften ebenso verzichteten wie auf solche, deren Mutterhäuser ihre Heimat in anderen Diözesen haben. Wie bei den einleitenden Aufsätzen geben auch bei den lexikalischen Einträgen ausgewählte Literaturangaben Hinweise für weitere Lektüre.
Ein ausführlicher Anhang rundet den Band ab, ja erweitert vor allem die lexikalischen Beiträge um eine gewissermaßen praktische Dimension. Zunächst erleichtert er durch ein umfangreiches Orts- und Personenregister die schnelle Orientierung in der Fülle der ausgebreiteten Informationen und liefert weitere Literaturangaben für eine grundlegende Lektüre zum Thema. Zudem ordnet er die aufgeführten Klöster und Stifte vor der Säkularisation nach heutigen Landkreisen und Gemeinden und listet überdies die Anschriften der heute bestehenden Klöster und Ordensgemeinschaften auf. Er zeigt dabei im Übrigen, dass diese durchaus den Weg in das 21. Jahrhundert gefunden haben: viele der aufgeführten Gemeinschaften verfügen über eine eigene Internet-Homepage und e-Mail-Adresse.
Die Gestaltung des Bandes tut ein Übriges, um den Leser gerne zu ihm greifen zu lassen: Eine behutsam moderne Typographie erleichtert in Verbindung mit dem angenehmen Papier die Lesbarkeit, dezent eingesetzte Schmuckfarben erleichtern vor allem im Lexikon-Teil die Orientierung, und die zahlreichen Abbildungen illustrieren anschaulich die Geschichte und das Leben der Klöster zwischen dem frühen Mittelalter und der Gegenwart.
(Christopher Blum)
