Ernst Waldemar Bauer: Wunderwelt der Höhlen

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Ernst Waldemar Bauer: Wunderwelt der Höhlen

Titel mit Aufnahme eines Höhleninneren

Bechtle Verlag Esslingen und München, 2001.
160 Seiten mit über 90 farbigen Abbildungen, Karten und Schemadarstellungen. Gebunden. 34,90 Euro. ISBN 3-7628-0565-2

Wer im Angesicht der Schwäbischen Alb lebt, einem höhlenreichen Karstgebirge, der gelangt leicht zu der Meinung, eigentlich alles schon über Hohlräume und unterirdische Wasserläufe zu wissen. Aber der Pädagoge und Wissenschaftsjournalist Bauer, einem breiten Publikum bekannt durch die ARD-Reihe «Wunder der Welt», weitet rasch den Blickwinkel und teilt mit, 3,25 Millionen Quadratkilometer Karstgebirge oder 2,2% der Erdoberfläche seien höhlenverdächtig.

Doch allein die bekannten Höhlen auf der Welt sind Legion und hier in exzellenten Farbaufnahmen zu sehen. Dem Autor gelingt in seinem Text, der der Wissenschaft verpflichtet und zugleich auf den Laien hin geschrieben ist, das Entstehen von Primärhöhlen – etwa in der Lava oder im Kalktuff wie unterhalb des Lichtensteins in der Honauer Olgahöhle – und der viel häufigeren sekundären Höhlen anschaulich vorzustellen, bei denen das schwach säurehaltige Regenwasser aggressiv genug ist, den Kalk aufzulösen. Die Kraft des Wassers wird verdeutlicht, aber auch der Baumeister Natur, wenn es um die großartigen Tropfsteinhöhlen und ihre Gebilde geht. Wobei die Wissenschaftler in der Lage sind, aus kleinen Teilchen das Alter der Tropfsteine zu bestimmen. Tiere haben als erste die Höhlen als Lebensraum gewonnen, so im slowenischen Karstgebirge der Grottenolm, der bis zu drei Jahre lang ohne Nahrung auskommen kann, und in der Alb der «Schwäbische Doppelschwanz», bestenfalls acht Millimeter lang, ein Relikt der Tertiärzeit, das in Jahrmillionen keinem klimatischen Wechsel ausgesetzt war. In der letzten Eiszeit sind sich Menschen und Höhlenbären begegnet, haben unsere «Vorfahren» in mehr als 120 Höhlen Malereien und Ritzzeichnungen hinterlassen, in Südfrankreich und Nordspanien, auf Sizilien und in Süditalien, aber auch im Südural.

Ernst Waldemar Bauer ist schon als junger Mann der Faszination Höhle und dem Entdecken im dunklen Untergrund erlegen, das spürt man dem Buch an. Neidlos lässt er jedoch Jochen Hasenmayer den Vortritt, der seit einem Taucherunfall querschnittsgelähmt – mit einem kleinen U-Boot auf Forschungsreisen geht, so durch den Blautopf ins Innere der Alb, wo er nach mehr als einem Kilometer Tauchfahrt den Mörike-Dom als erster Mensch gesehen hat.

Höhlen rund um die Welt, ein kleines Höhlenlexikon sowie ein Verzeichnis der Schauhöhlen in Deutschland, in der Schweiz und in Österreich beschließen den gelungenen Band, bei dem sich Text und Fotos in Umfang und Qualität die Waage halten.

(Martin Blümcke)