Karin Gessler: Streifzüge ins Mittelalter.

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Karin Gessler: Streifzüge ins Mittelalter.

Titelblatt

50 Zeitreisen in Baden-Württemberg. Silberburg-Verlag Tübingen 2008. 182 Seiten. Broschur 16.90 Euro. ISBN 3-87407-731-4

Das Mittelalter ist mit der Aura des Geheimnisvollen umgeben und hat nicht zuletzt deshalb Konjunktur. Fünfzig Zeitreisen in die Jahrhunderte zwischen der alamannischen Landnahme und der Reformation bietet Karin Gessler in Baden-Württemberg an, und in der Tat hat das Land in diesem Tourismus-Segment Einiges zu bieten, vom Weltkulturerbe Reichenau über die älteste Fachwerkhäuserzeile Deutschlands in Esslingen bis zum höchsten, wenigstens höchsten gotischen Kirchturm der Welt in Ulm - naja, wenn dieser auch aus dem 19. Jahrhundert stammt, aber immerhin wurde er im Mittelalter geplant.

Fünfzig Reiseziele also, ziemlich gleichmäßig übers Land verteilt -sicherlich ein Auswahlkriterium zur Aufnahme in den Band -, allenfalls im Südschwarzwald und auf der Alb bieten sich Lücken. Mit dem Geheimnisvollen ist es freilich so eine Sache, davon zeugen auch die Fotos in dem Band: Ziemlich geschleckt wirkt so manches Zeugnis der Zeit; und die rekonstruierte Einrichtung eines alamannischen Hauses in Lauchheim dünkt wie frisch von IKEA geliefert.

Nichts desto trotz, das Buch wirkt als Appetitanreger, und so mancher Badener wird erstaunt sein, was der württembergische Nachbar zu bieten hat - et vice versa. Ein Appetitanreger ist der Band auch deshalb, weil die Happen mundgerecht präsentiert werden, thematisch gut geordnet teils nach Lebensräumen, teils nach Epochen, teils Sinnzusammenhängen.

Das Ganze ist für den Laien gedacht, für den Durchschnittsbürger, der sich mit Geschichte und mittelalterlicher Geschichte im Besonderen noch nicht weiter beschäftigt hat. Daher wird vieles auf eine recht kurze Formel gebracht -auch die einleitende Einführung in die Epoche -, zur eigentlichen Besichtigung der vorgestellten Ziele reicht der Text nicht ganz aus. Dafür ist angegeben, wo man sich weitere Informationen besorgen kann und wo es im näheren Umkreis des vorgestellten Reiseziels noch Weiteres zum Thema zu sehen gibt.

Hervorzuheben ist die vorzügliche Qualität der Abbildungen, die Zeittafel und die Tatsache, dass die Orte als die eigentlichen Träger der kulturellen Identität unter ihren historischen Namen erscheinen, Eingemeindungen und die Zugehörigkeit seit der Verwaltungsreform von 1972 ignoriert werden. Maienfels mit seiner Burg sollen halt weiter Maienfels bleiben und nicht Wüstenrot werden, wenn das auch Gemeindeverwaltungen landauf, landab ganz anders sehen wollen.

(Raimund Waibel)