Verleihung des Denkmalschutzpreises im Jubiläumsjahr 2002
Vor 25 Jahren verlieh der Schwäbische Heimatbund zum ersten Mal einen Preis für Menschen, die sich erfolgreich um der Erhalt historischer Bausubstanz verdient gemacht haben. Damals hieß die Auszeichnung noch Peter-Haag-Preis, war auf den württembergischen Landesteil beschränkt und mit bescheidenen Preisgeldern ausgestattet.
25 Jahre später hat sich der Wettbewerb zur wichtigsten Auszeichnung für privaten Denkmalschutz in Baden-Württemberg entwickelt. Mit der Württemberger Hypo wurde bereits 1992 einen starken Partner gefunden, im Jahr 2000 stießen der Landesverein Badische Heimat und die Denkmalstiftung Baden-Württemberg als Auslober hinzu und die Ausschreibung wurde auf das ganze Bundesland erweitert. Grund genug also für einen festlichen Abend, der aus Anlass des Jubiläums ausnahmsweise in Stuttgart und nicht vor Ort bei einem der ausgezeichneten Objekte gefeiert wurde. Rund 350 Gäste, darunter viele ehemalige Preisträger, waren ins Gustav-Siegle-Haus gekommen, um die diesjährigen Gewinner im Besonderen und den Erfolg einer Idee im Allgemeinen zu feiern, über die Entwicklung der Baudenkmalpflege im Land zu sprechen und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.
Dank und Anerkennung durch Ministerpräsident Erwin Teufel
In seiner Begrüßungsrede sagte Dr. Paul Eisele, Vorstandssprecher der Württemberger Hypo, dass jedes alte Gebäude, das vor Verfall und Zerstörung gerettet wird, zeugt von Heimat und Geschichte. Und jeder Eigentümer, der einem Baudenkmal die gewachsene Identität zurückgibt, bekennt sich zugleich zu der Tradition, in der er lebt. Dies zu würdigen, könne nicht allein Aufgabe des Staates sein, bekräftigte Dr. Eisele das Engagement der international tätigen Spezialbank in ihrer Heimatregion. Wer bürgerschaftliches Engagement will, muss auch bereit sein, es zu unterstützten.
Die Bedeutung, die der Denkmalschutzpreis der Württemberger Hypo, des Schwäbischen Heimatbunds, des Landesvereins Badische Heimat und der Denkmalstiftung Baden-Württemberg mittlerweile erreicht hat, wurde durch die Anwesenheit und die Rede von Ministerpräsident Erwin Teufel noch einmal hervorgehoben. Er dankte den Preisträgern für ihr Engagement und würdigte den Einsatz der Auslober für die Erhaltung der gebauten Zeugen der Geschichte in Baden-Württemberg.
Durch das Programm des Abends führte charmant und kompetent SWR-Moderatorin Heike Lüttich, die den Preisträgern etliche interessante Aspekte und Histörchen aus ihrer teilweise abenteuerlichen Reise in die Geschichte ihrer Bauwerke entlockte. So zum Beispiel die Anekdote von einer der Wirtinnen des Dorfwirtshauses in Rosengarten-Tullau. Diese hatte wohl eine so starke Wirkung auf das männliche Geschlecht, dass sich mehrere ihrer Zeitgenossen aus Verzweiflung über die unerfüllte Liebe das Leben nahmen, wie Besitzer Gerd Schäfer zu berichte wusste. Oder die Erfahrungen, die Florian Rauch bei der Sanierung des alten Schwarzwaldhauses machte, das er gemeinsam mit seinen beiden Schwestern saniert hat. Der angehende Architekt lernte, mit einfachen Werkzeugen Holz so zu bearbeiten, wie es den bauzeitlichen Techniken entsprach und berichtete über die Kniffe, mit denen sich Erbauer des fast 200 Jahre alten Schwarzwaldhofs die Eigenschaften des Werkstoffes Holz zu Nutze machten. Und Uwe Brode, Besitzer des Alten Spitals in Neuenstein, erzählte die Geschichte von der Entdeckung der markanten Loggia, die dem 1474 gebauten, ehemals herrschaftlichen Beamtenwohnhaus seit 1632 eine nahezu südländische Anmutung gab.
Insgesamt also ein sehr unterhaltsamer und informativer Abend, bei dem das im vergangenen Jahr zum ersten Mal gewählte Konzept mit einer durchgängigen Moderation positiv zum Tragen kam. Den Abschluss bildete ein Imbiss bei Wein, Sprudel und Bier, zu dem die Württemberger Hypo alle Gäste einlud.
