Verleihung des Denkmalschutzpreises 2004 im Mannheimer Schloss
Hochkarätige Denkmale und ihre Eigentümer ausgezeichnet
Dass zu besonderen Gebäuden auch besondere Menschen gehören wurde bei der Verleihung des Denkmalschutzpreises der Württemberger Hypo 2004 wieder einmal besonders deutlich. Der Preis, den die Bank zusammen mit dem Schwäbischen Heimatbund, dem Landesverein Badische Heimat und der Denkmalstiftung Baden-Württemberg vergibt, zeichnet nämlich bewusst nicht nur die aufwändig sanierten und erhaltenen Gebäude aus, sondern eben auch den Willen und das Engagement der Eigentümer und die präzise und denkmalgerechte Sanierungsarbeit der Architekten, Konservatoren und Fachhandwerker.

Künstler Dietmar Brixy und SHB-Geschäftsführer Dieter Dziellak führen Heimatbund-Mitglieder und Gäste in die Baugeschichte des ehemaligen Abwasserpumpwerks in Mannheim-Neckarau ein.
Rund 170 Gäste waren Anfang November 2004 in das Mannheimer Schloss gekommen, um den Preisträgern ihre Referenz zu erweisen und sich über die ausgezeichneten Bauwerke zu informieren (siehe auch Bericht). Im Fall des historischen Abwasserpumpwerkes in Mannheim-Neckarau war das sogar vor Ort möglich. Eine Gelegenheit, die sich viele Heimatbund-Mitglieder und weitere Gäste nicht entgehen lassen wollten. Sie wurden vom Eigentümer, dem Künstler Dietmar Brixy, durch die Arbeitshalle und den - heute peinlich sauberen - Abwasserkanal geführt. Dabei wurde deutlich, welch stimmige Synthese der 1903 errichtete, neugotische Industriebau und die moderne Kunst miteinander eingegangen sind.

Preisträger, und Vertreter der beteiligten Auslober im Saal des Mannheimer Schlosses
Beim anschließenden Festakt im Mannheimer Schloss, selbst eines der größten Denkmale im Land, begrüßte Dr. Robert Grassinger, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Württemberger Hypo, die Anwesenden und beglückwünschte die Preisträger. Zur Bedeutung des privaten Engagements sagte er: Privater Denkmalschutz ist mehr als nur eine willkommene Ergänzung zum öffentlichen Denkmalschutz, der in Zeiten knappen Geldes manches lohnenswerte Projekt nicht so fördern kann, wie dies wünschenswert wäre. Er gibt dem Leben im wahrsten Sinne des Wortes ein Zuhause und reiht unser Leben in einen kontinuierlichen Sinnzusammenhang zwischen Vergangenheit und Zukunft ein. Diesen kulturgeschichtlichen Beitrag leisten alle privaten Denkmaleigentümer, die sensibel und rücksichtsvoll mit baugeschichtlichen Zeugnissen umgehen, auch jene, die nicht zu den Gewinnern unseres Wettbewerbs zählen. Der Denkmalschutzpreis will also nicht nur Spitzenleistungen prämieren - mit ihm soll vielmehr jedes Engagement für einen verantwortungsvollen Umgang mit historischer Bausubstanz gewürdigt werden.
In seiner Ansprache bedankte sich Heribert Rech MdL, Innenminister des Landes Baden-Württemberg, bei den Auslobern für die Stiftung des Preises und sprach den Preisträgern seine Anerkennung aus. Es sei zu hoffen, dass der Denkmalschutzpreis noch mehr Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Verbände dazu anrege, sich als Eigentümer oder Förderer für das reiche baukulturelle Erbe einzusetzen. Die Pflege alter Bauwerke ist mehr als die kostspielige Bewahrung überalterter Strukturen und Materialien. Es geht dabei um die Frage, wie die Gemeinschaft zu ihrer Geschichte steht. Aus der Denkmalpflege spricht vor allem das Bestreben, das historisch Gewordene zu verstehen und für Gegenwart und Zukunft nutzbar zu machen, betonte der Innenminister. Rech versicherte, dass das Innenministerium, zu dessen Ressortzuständigkeit die Denkmalpflege seit Mai 2004 wieder gehört, alles Erforderliche unternehmen werde, um der Denkmalpflege den ihr gebührenden Rang zu geben. Angesichts der dramatischen Finanzlage des Landes könne aber die staatliche Denkmalpflege von den Überlegungen zur Modernisierung und Straffung der Landesverwaltung nicht ausgenommen werden.
Nach so viel Lob und Dank kamen mit den fünf Preisträgern die Hauptpersonen des Abends zu Wort. Charmant und kenntnisreich moderiert von SWR-Mitarbeiterin Heike Lüttich, erzählten Sie von Höhen und Tiefen des Denkmalbesitzerdaseins und berichteten von vielen Anekdoten und Überraschungen, die der Kauf und die Sanierung der jahrhundertealten Gebäude mit sich bringt. Gerade in diesen persönlichen Schilderungen wurde offensichtlich, welch intensive Beziehung zwischen den Häusern und ihren Eigentümern entstanden ist. Beim anschließenden Stehempfang in den Gewölben des Schlosses wurde dann auch intensiv über Geschichten, bauliche Details, abgeschlossene und kommende Projekte diskutiert.
Volker Lehmkuhl
