Das Besondere hat Zukunft: Verleihung des Denkmalschutzpreises 2006 in Rottweil
Das Motto "Das Besondere hat Zukunft", mit dem der Gewerbepark Neckartal auf dem Areal der ehemaligen Pulverfabrik Rottweil für sich wirbt, könnte auch gut für die Verleihung des Denkmalschutzpreises Baden-Württemberg 2006 gelten. Denn die fünf ausgezeichneten Objekte sind - wie ihre zahlreichen Vorgänger in der langen Geschichte des Preises - einzigartige Zeugen der Bau- und Sozialgeschichte im Land. Ausgeschrieben haben den landesweit einmaligen Preis der Schwäbische Heimatbund, der Landesverein Badische Heimat und die Denkmalstiftung Baden-Württemberg. Eine großzügige finanzielle Unterstützung kommt von der Wüstenrot Stiftung. Die Schirmherrschaft hat Ministerpräsident Guenther H. Oettinger übernommen.

Ein außergewöhnlicher, aber überaus passender Rahmen für die Verleihung des Denkmalschutzpreises 2006: Das ehemalige Kraftwerk der Rottweiler Pulverfabrik wird heute für die verschiedensten Veranstaltungen genutzt. Von links: SHB-Vorsitzender Fritz-Eberhard Griesinger, Minister Ernst Pfister, Regierungspräsident Dr. Sven von Ungern-Sternberg nebst Gattin, Dr. Wolfgang Bollacher von der Wüstenrot-Stiftung, Oberbürgermeister Thomas J. Engeser nebst Gattin, der Rottweiler Landrat Dr. Wolf-Rüdiger Michel und Dr. Volker Scholz von der Denkmalstiftung Baden-Württemberg.
Vor dem eigentlichen Festakt zur Verleihung hatten die rund 650 geladenen Gäste die Möglichkeit, das Areal der Pulverfabrik und die ausgezeichneten Gebäude der Holzmanufaktur Rottweil ausführlich in Augenschein zu nehmen. Kompetent geführt durch (Bau-)Historiker, Architekten und Stadtarchivare hatten die Hausherren sechs Führungen zu den verschiedenen Aspekten dieses industriegeschichtlich und architekturhistorisch überaus spannenden Areals organisiert. Zur Erinnerung: Wo heute der Gewerbepark Neckartal mit den verschiedensten Nutzungen aus Handwerk, Dienstleistung und Freizeit residiert, arbeiteten bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs mehr als 2000 Menschen zum Teil unter schwersten Bedingungen an der Herstellung von Schießpulver und bescherten der Eigentümerfamilie Duttenhofer einen kaum zu glaubenden Reichtum. Von Bedeutung und Umfang der Pulverfabrik künden auch heute noch zahlreiche Bauten, von denen drei von der Holzmanufaktur Rottweil umgenutzte Gebäude mit dem Denkmalschutzpreis 2006 ausgezeichnet wurden.
Der feierliche Festakt fand im ehemaligen Kraftwerk der Pulverfabrik statt. Der nach Plänen von Architekt Paul Bonatz errichtete Bau ist nicht nur in seinen Dimensionen beeindruckend. Auch die zum großen Teil noch erhaltenen technischen Einbauten wie Dampfkessel, Schaltschränke und Leitungen boten einen überaus passenden Rahmen für die Präsentation der preisgekrönten Objekte, wie Fritz-Eberhard Griesinger, Vorsitzender des Schwäbischen Heimatbunds, in seiner Begrüßung feststellte. Denn auch das Kraftwerk der Pulverfabrik ist ein Beweis dafür, dass es dank der Initiative von Privatpersonen oder privaten Institutionen immer wieder gelingt, die Denkmaleigenschaft mit der Renovierung der Objekte und ihrer neuen Verwendung so zu verbinden, dass das geschützte Objekt nicht in musealer Starre versinkt, sondern mit neuem Leben erfüllt wird. Viele solcher Bemühungen sind preiswürdig, nur wenige können ausgezeichnet werden, sagte Fritz Eberhard Griesinger. Der Vorsitzende des Schwäbischen Heimatbunds bedankte sich besonders bei der Wüstenrot Stiftung für das Sponsoring des Preises: Ohne mäzenatische Unterstützung bestünde dieser Wettbewerb nicht. Deshalb spreche ich im Namen der Auslober und im Namen der Preisträger der Wüstenrot Stiftung unseren herzlichen Dank aus.
Dr. Wolfgang Bollacher, Vorstandsvorsitzender der Wüstenrot Stiftung, die erstmals Partnerin des Denkmalschutzpreises Baden-Württemberg ist, hob in seinem Grußwort hervor, dass nicht nur die strahlenden und ruhmreichen, sondern auch die kleinen und schwächeres Licht gebenden, aber gleichwohl nicht weniger anrührenden Denkmale nach Erhaltung rufen. In Zeiten, in denen die öffentliche Denkmalpflege und ihre personelle Ausstattung Not leidend geworden sei und des steten Ansporns bedarf, um nicht gänzlich zu erlahmen, gebühre den beispielhaften und Beispiel gebenden denkmalpflegerischen Leistungen der Preisträger, der Architekten, Restauratoren und Handwerker deshalb eine besondere Würdigung, so Dr. Bollacher weiter. Und Thomas J. Engeser, Oberbürgermeister von Rottweil, freute sich, dass in seiner an Denkmalen so reichen Stadt bereits zum siebten Mal ein Objekt mit dem Denkmalschutzpreis ausgezeichnet wurde.
Auch Ernst Pfister (MdL), Wirtschaftsminister des Landes Baden-Württemberg und wieder oberster Dienstherr der staatlichen Denkmalpflege, wusste das Engagement der Auslober und der Wüstenrot Stiftung als Mäzenin zu schätzen: Diese Kooperation ist ein Glücksfall und ein überaus positives Beispiel für eine aktive Bürgergesellschaft, betonte der Minister und bezog in seine Glückwünsche auch die Preisträger mit ein: Als Vertreter des Landes möchte ich Ihnen Anerkennung und großen Dank aussprechen für den ideellen und materiellen Einsatz, den Sie für die Zeugnisse unserer Landesgeschichte erbracht haben. Darin einschließen möchte ich auch den Dank an alle am Bau Beteiligten für ihre Kompetenz, Phantasie und Kreativität bei seiner Ausführung.
Die Preisträgerinnen und Preisträger als Hauptpersonen des Abends sowie die ausgezeichneten Objekte standen dann bei der von SWR-Moderatorin Heike Lüttich ebenso kenntnisreich wie charmant geführten Vorstellung im Mittelpunkt des Interesses. Eine besondere Anerkennung ging an die Stuttgarter Straßenbahnen AG für die Sanierung und technische Ertüchtigung der Standseilbahn in Heslach.
Die vielen Gespräche und Kontakte beim anschließenden Stehempfang zeigten, dass die Verleihung des Denkmalschutzpreises von Jahr zu Jahr mehr zum Pflichttermin und Kontaktbörse für engagierte Denkmalschützer im Land wird.
(Volker Lehmkuhl)
