Kirchen – religiöse Zeichen im öffentlichen Raum

. . . . . .

Kirchen – religiöse Zeichen im öffentlichen Raum

Der Vortrag von Prof. Dr. Thomas Erne, Marburg, war frei vorgetragen. Sie finden hier eine Kurzfassung seines Tagungsbeitrags.

Exposé zum Vortrag von Prof. Dr. Thomas Erne
im Rahmen der Tagung "Kirche – Stadt – Kultur"
6. Schwäbischer Städte-Tag, 7. Oktober 2009, in Reutlingen

Kirchengebäude sind öffentliche Zeichen der christlichen Religion. Sie stehen für die gesamtgesellschaftliche Akzeptanz der Religion, die der individuellen Wahl des Einzelnen vorausgeht. Das erklärt den hohen öffentlichen Symbolwert der Kirchengebäude. Die Kirche kann im Grunde keine Kirche verkaufen oder abreißen. Sie würde sonst ihre gesellschaftliche Basis eigenhändig unterminieren.

Kirchengebäude bleiben aber nur dann öffentliche Zeichen der christlichen Religion, wenn in ihnen auch attraktive Religionsangebote gemacht werden, die für die Menschen von heute von Belang sind. Das ist das Wahrheitsmoment von Luthers Empfehlung, wo keine lebensrelevante religiöse Kommunikation mehr stattfindet, solle man dieselbe Kirche abbrechen, wie man alle anderen Häusern tut, wenn sie nimmer nütz sind (Martin Luther, Kirchenpostille). Das Zeichen Kirchengebäude ist auf Dauer nur dann ein öffentliches Zeichen der Religion, wenn in ihnen auch regelmäßig und verlässlich christliche Religion stattfindet.

Den Kirchengebäuden wachsen unter in der Moderne, wo Religion zu einem frei wählbaren Angebot geworden ist, neue Bedeutung zu. Kirchen sind einerseits das Haus einer Gemeinde, domus ecclesiae, das für den Gottesdienst einer Ortsgemeinde Raum bietet. Kirchen sind anderseits auch Räume der Begegnung (Kulturdenkschrift der EKD). Es sind Schwellenräume für Passanten, die neugierig sind auf Transzendenz. In ihnen finden Begegnungen mit christlicher Religion in vielfältigen Formen und Medien statt, die vom Raumerlebnis über das Gästebuch bis zur Videoinstallation reichen, und nicht oder noch nicht mit der Mitgliedschaft in einer Ortsgemeinde verbunden sind.