Stadt und Kirche - aus Stein gebaut
Zusammenfassung des Vortrags von Baubürgermeisterin Ulrike Hotz, Reutlingen
im Rahmen der Tagung "Kirche – Stadt – Kultur"
6. Schwäbischer Städte-Tag, 7. Oktober 2009, in Reutlingen
Die europäische Stadt steht wie die Kirche auf dem Fundament des christlichen Glaubens. Auf diesem Stein ist Kirche gebaut, ist Stadt gebaut. Seit rund zweitausend Jahren sind Kirche und Stadt in ihrer Geschichte miteinander verbunden. Sie haben sich gegenseitig inspiriert, beeinflusst, sich bekämpft und auch verbündet.
Kirche übte einen wesentlichen Einfluss auf die abendländische Kultur aus, spielte eine bedeutende Rolle in der Entwicklung unserer Städte. Der Einfluss wirkt bis in unsere Zeit. Kirche, Rathaus und Markt prägen seit jeher das bauliche, geistige und politische Leben einer Stadt.
Was bedeutet es also für eine Stadt, wenn sich Kirche immer mehr aus dem Leben einer Stadt zurückzieht, für einen Stadtteil, wenn Kirchen aufgegeben oder gar abgerissen werden?
Architekturprofessor Arno Lederer, Stuttgart, führte hierzu beim Evangelischen Kirchenbautag in Dortmund im Oktober 2008 aus:
Als ich mir ... vorstellte, was wohl geschehe, wenn die Kirche eine andere Nutzung erhielte, oder gar abgerissen würde, sah ich den ganzen Stadtteil zerstört. Nichts würde mehr eine sinnvolle Ordnung haben, wenn man dieses Haus preisgäbe.[...] Man sollte sie einfach stehen lassen, die Gotteshäuser. Allein schon für diejenigen, die wild in der Gegend herumfuchteln, wenn an der einen oder anderen Stelle eine Moschee gebaut wird. Denn in Wirklichkeit ist es nicht die bauliche Präsenz der Moschee, die Probleme macht Wenn Kirchen aus dem Stadtbild verschwinden, verschwindet auch der Glaube. Gerade deswegen machen leer stehende Kirchen Sinn: das sind die eigentlichen Boten eines gesellschaftlichen Wandels und nicht die Bauten von Menschen, die einen anderen Glauben haben.
