Vom Bauerndorf zur Vorstadt. Auf der Suche nach dem alten, neuen Ortskern.
Tagung in Rottweil-Neufra

Aufmerksame und engagierte Zuhörer in Neufra
Im Rahmen der Heimattage Baden-Württemberg fand am 10. Mai 2003 in der Karl-Stimmler-Halle von Rottweil-Neufra eine Tagung zur baulichen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Gemeinden am oberen Neckar seit 1945, mit besonderer Berücksichtigung von Neufra (Stadt Rottweil) statt.
Veranstalter waren der Schwäbische Heimatbund e.V., Stuttgart, die Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Abt. Landesforschung und Landesbeschreibung, Stuttgart, und die Ortschaftsverwaltung Neufra, Stadt Rottweil.
Das Tagungsprogramm enthielt vier Referate sowie weitere Beiträge, von denen wir einen Teil im Wortlaut wiedergeben:
Begrüßung

Prof. Dr. Rainer Loose bei seinem Vortrag
- Heinz Vogt, Stadtrat Rottweil, in Vertretung des Oberbürgermeisters Engesser
- Martin Blümcke, Vorsitzender des Schwäbischen Heimatbundes
- Prof. Dr. Wilfried Schöntag, Landesarchivdirektion Baden-Württemberg; das Grußwort im Wortlaut
- Prof. Dr. Rainer Loose, Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Stuttgart:
Vom Bauerndorf zur Vorstadt - Eine Einführung mit Beispielen aus dem Raum zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb - Dr. Winfried Hecht, Stadtarchiv Rottweil
Zur Entwicklung des Rottweiler Teilorts Neufra - Felix Schindler, Ortsvorsteher von Rottweil-Neufra
Ortsrundgang - Dr. Peter Exner, Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Karlsruhe
Vom Milieu zur Sammlungsbewegung - Wahlen und politisches Leben in den Gemeinden des Landkreises Rottweil in der Nachkriegszeit - Prof. Dr. Günter Reichelt, Donaueschingen
Die Folgen der Siedlungsentwicklung für Umwelt und Natur

Nicht ganz `rund´, aber kompetent besetzt: Der Runde Tisch
Diskussion am Runden Tisch mit Fachleuten und Vertretern des politischen Lebens zum Thema: Landschaftsverbrauch und Konzepte für die künftige Entwicklung der Gemeinden im ländlichen Raum. Die Teilnehmer:
- Prof. Dr. Christel Köhle-Hezinger, Esslingen-Jena (Gesprächsleitung)
- Dieter Kleinmann, MdL (FDP)
- Wolfgang Nessler, 1. Beigeordneter und Bürgermeister Rottweil
- Felix Schindler, Ortsvorsteher Rottweil-Neufra
- Prof. Detlev Simons, Dipl.-Ing. Architekt
Warum diese Tagung?

Dorfsanierung mit `Gestaltungspotenzial´
Das alte Dorf, geprägt von Bauern und Landwirtschaft, ist im allgemeinen gesellschaftlichen Wandel der Nachkriegszeit untergegangen. An seine Stelle ist in weniger verdichteten, ländlichen Räumen wie jenem am oberen Neckar das neue Dorf getreten, in dem noch einige wenige Bauern, hauptsächlich aber Handwerker, Arbeiter und Angestellte, vor allem aber Pendler, wohnen, die auswärts einen Beruf ausüben.

Gelungene Objektsanierung im Lebensraum `Dorf´
Das neue Dorf will nicht zur monotonen und anonymen Vorstadt großer Zentren werden. Trotz des ausufernden Siedlungswachstums bewahrte es die überschaubaren Dimensionen der Vergangenheit und besitzt im alten Ortskern noch historische Bausubstanz, welche aber mangels geeigneter Konzepte mehr und mehr in Frage gestellt wird. Bevor sie von ortsfremden Personen und Interessen vollends in Besitz genommen und nach deren Wünschen angepasst wird, gilt es nach zukunftsträchtigen Modellen zu fragen, die den Ortskern in seinen überkommenen Strukturen erhalten, zugleich aber für jüngere Familien und andere Personen wieder lebenswert machen.

Rundgang mit Ortsvorsteher Schindler
Zu diesem Zweck muss eine Bestandsaufnahme vorgenommen werden und nach den Ursachen und Faktoren des Wandels gefragt werden, allein um die Problematik ins Bewusstsein der Betroffenen zu holen. Am Beispiel des heutigen Rottweiler Teilorts Neufra und anderer Gemeinden aus der Region zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb werden Stationen des baulichen, wirtschaftlichen und sozialen Wandels seit Kriegsende aufgezeigt werden. Sie dienen auch dazu, die Kontraste im Flächen- und Landschaftsverbrauch aufzuzeigen, ohne deren Minimierung die Existenz des neuen Dorfes gefährdet ist. Das neue Dorf lebt wesentlich von den Bezügen einer naturnahen Umwelt.
Die Tagung, die im Rahmen der Heimattage Baden-Württemberg veranstaltet wird, wendet sich an alle historisch interessierten Bürger und Bürgerinnen in und um Rottweil, an die Mitglieder des Schwäbischen Heimatbundes und an die Bürgermeister und Gemeinderäte des Raumes am oberen Neckar.
