Schwaben - Heimat im Wandel

Die »Heimat« an sich ist facettenreich und stetem Wandel unterworfen. Positiv belegt war Heimat schon für den Bauern im Barock, denn er meinte damit seinen Hof, seine Heimstätte. Erst mit der Romantik des 19. Jahrhunderts wurde Heimat zaghaft in der Landschaft und auch als geistiges Bei-Sich-Sein entdeckt. Doch das alte Heimatrecht, der juristische Anspruch auf eine Gemeindezugehörigkeit, die im äußersten Notfall auch soziale Unterstützung bedeutete, stand im Verständnis der Zeit noch im Vordergrund.
Mit der Ablösung der jahrhundertealten Bürgergemeinde durch die Wohnsitzgemeinde nach 1871 war der Weg frei für die Wandlung vom Rechts- zum Gemütsbegriff, die Einheit von Natur und Kultur beschreibend. Heimat wurde nun zunehmend kulturell verstanden und darf sich bis in die Gegenwart stets neuer - und sich weiter wandelnder - Wertschätzung erfreuen.
Der Schwäbische Heimatbund, der aus der Heimatschutz-Bewegung um 1900 hervorging, will im Jahr seines 100-jährigen Bestehens nach der Heimat im umfassenden Sinn fragen. Wie erfuhren Menschen in unterschiedlichen Epochen Heimat und nicht zuletzt: Welche Bedeutung kommt Heimat im 21. Jahrhundert zu, in einer Welt, die vom Zwang zu fast grenzenloser Mobilität gekennzeichnet ist, in der eine emotionale Bindung an bestimmte Orte, an eine Sprache oder an Traditionen als vielleicht archaisch oder wirtschaftshemmend erscheinen will?
Wir laden Sie ein, mit dem Schwäbischen Heimatbund in Vorträgen, einer Tagung und auf Reisen und Exkursionen mehr zu erfahren über den Wert von Heimat gestern, heute, morgen.
Nach Abschluss der Reihe finden Sie hier auch einen ausführlichen Bericht über die Veranstaltungen.
Zu dieser Vortragsreihe bieten wir auch interessante Reisen und Exkursionen an.
Diese Veranstaltungen finden mit freundlicher Unterstützung der L-Bank - Staatsbank für Baden-Württemberg - statt.
Vortragsreihe:
Schwaben - Heimat im Wandel
Die Vorträge finden statt im Foyer der L-Bank
in Stuttgart, Börsenplatz 1.
Zu erreichen mit: U 9 und U 14,
Haltestelle Friedrichsbau (Börse).
Kostenbeitrag jeweils 3,- Euro
(nur Abendkasse).
Saalöffnung jeweils 18.00 Uhr. Die Türen werden geschlossen, wenn die höchstzulässige Besucherzahl erreicht ist.
Dienstag, 3. März 2009
19.00 Uhr: Begrüßung der Gäste und Einführung in die
Vortragsreihe durch Fritz-Eberhard Griesinger, Vorsitzender des
Schwäbischen Heimatbundes, und Christian Brand, Vorsitzender des
Vorstands der L-Bank.
anschließend: Prof. Hermann Bausinger, Tübingen:
Chamäleon Heimat - Eine feste Beziehung im Wandel.
Das Besondere der Heimatbeziehung liegt in ihrer Beständigkeit. Aber was als Heimat angesprochen werden kann, hat sich im Lauf der Zeit ebenso verändert wie die Menschen, die auf Heimat angewiesen sind. Der Vortrag verfolgt die Etappen dieses Wandels und umreisst das Problemfeld, in dem Heimat heute zu realisieren ist.
Ausklang mit Wein und Brezeln
Dienstag, 10. März 2009
19.00 Uhr: PD Dr. Friedemann Schmoll, Tübingen: Korrekturen am Fortschritt. Landschaft, Tradition und Kultur in der Geschichte des »Heimatschutzes«. (Vortrag mit Lichtbildern)
Heimatschutz lag vor hundert Jahren gleichsam in der Luft. In bis dahin unbekannten Dimensionen schien sich das Industriezeitalter über die vorgefundene Welt, über Tradition, kulturelles Erbe und die natürliche Umwelt hinwegzusetzen. Zu jenen, die Einspruch gegen das Diktat eines zu rasanten Fortschritts erhoben und eine vertraute Heimat sichern wollten, gehörte auch die Bewegung des Heimatschutzes.
Dienstag, 17. März 2009
19.00 Uhr: Prof. Dr. Hans-Georg Wehling: Ist die Heimat noch zu retten?
Heimat in der mobilen Gesellschaft: kann es sie noch geben, muss es sie noch geben? Ob daheim geblieben, in der Fremde oder zurückgekommen, man ist ja längst international vernetzt. Zugezogene aber, auch aus anderen Kulturräumen, suchen Halt, eine neue Heimat. Dazu gehört nicht nur die Aufgeschlossenheit der Einheimischen, sondern auch Erwartungen an die Zugezogenen.
Dienstag, 24. März 2009
19.00 Uhr: Prof. Dr. Franz Quarthal, Stuttgart: Fremde wird Heimat – Einwanderung nach Schwaben vom 17. Jahrhundert bis heute (Vortrag mit Lichtbildern)
Schwaben scheint seit dem Mittelalter eine feste kulturelle Einheit
zu bezeichnen. In Wirklichkeit wandelten sich die Schwaben stetig, zeitweilig in dramatischer Weise. Es kamen Schweizer, Hugenotten, Waldenser, Salzburger, im 19. Jahrhundert Italiener, nach dem Zweiten Weltkrieg Flüchtlinge und Vertriebene, dann Arbeitsmigranten und in jüngster Zeit Asylbewerber. Wie konnte und kann Schwaben Heimat für Einheimische und Zugezogene werden und bleiben?
Dienstag, 31. März 2009
19.00 Uhr: Prof. Thomas Vogel, Tübingen: »Droben stehet die Kapelle«? Heimatliteratur und globalisierte
Welt
Seit dem 19. Jahrhundert dient der ländliche Raum der Heimatliteratur als Kulisse: schicksalsmächtige Berge, das hierarchisch strukturierte Dorf und die heile bäuerliche Welt. Diese Literaturgattung hat im Laufe der Zeit alle nur möglichen Höhen und Tiefen erlebt und durchlitten. Doch
die zunehmende Globalisierung der Welt beschert der Heimatliteratur einen neuen Höhenflug unter neuen Vorzeichen.
Dienstag, 7. April 2009
19.00 Uhr: Prof. Alfons Scheirle, Fellbach: Heimat und Musik – Die musikalische Umwelt gestern und heute (Vortrag mit musikalischen Beispielen am Klavier)
Anhand von Texten und Melodien am Klavier und in natura praktiziert, stellt Professor Scheirle die Herkunft der Heimatmusik vor, das Musizieren einst in kleinen Musikgruppen auf dem Hof, im Lichtkart und in Bürgerhäusern, aber auch mittels berufsständischer und Arbeitsliedern, fragt nach Entstehung, Gebrauch und Verbreitung des eigentlichen Volks-Lieds, das als Kunstobjekt Erhöhung und Entfremdung zugleich erfuhr, und erörtert die Situation heimatlicher Musik heute, bedrängt von Verkitschung, Kommerzialisierung und Weltmusik.
Ausklang der Vortragsreihe mit Wein und Brezeln.
Reisen zum Thema
Zu unserem Themenschwerpunkt Heimat gehören auch zahlreiche Reisen aus unserem Programm Kultur- und Städtereisen 2009.
Samstag, 28. März 2009
Meilensteine der SHB-Geschichte (Tagesfahrt und Führung mit Prof. Dr. Wilfried Setzler)
Abfahrt: 8.00 Uhr, Bussteig 14, Busbahnhof Stuttgart
Preis : € 57,– pro Person (inkl. Busfahrt, Reiseleitung, alle Führungen und Eintrittsgelder)
Programm: Exkursion zu Kristallisationspunkten des frühen Heimatschutz-Engagements um 1910: mittelalterlicher Marktbrunnen in Rottenburg, Nikolaus-Brückenkapelle Calw und Kloster Hirsau, Platanenallee Tübingen; letzteres ein Thema, das die Gemüter weit über Württemberg hinaus bewegte.
Freitag, 3. April 2009
Kein Araberdorf am Killesberg! Der »Bund für Heimatschutz« und die Architektur in Stuttgart um 1925/35 (Tagesfahrt und Führung mit Sven Gormsen und Dr. Raimund Waibel)
Abfahrt: 9.00 Uhr, Bussteig 14, Busbahnhof Stuttgart
Preis : € 68,– pro Person (inkl. Busfahrt, Reiseleitung, alle Führungen und Eintrittsgelder)
Programm: Das Neue Bauen der 1920/30er Jahre wurde von der Heimatschutzbewegung vehement abgelehnt und bekämpft. Die Exkursion führt zu herausragenden Stuttgarter Beispielen des kulturellen Streits: Weißenhof-Siedlung, Kochenhof-Siedlung, Wohnhochhaus Schönblick, St. Antonius-Kirche in Kaltental, Brenzkirche am Killesberg, Feuerwache Feuerbach, Boschareal, Hauptbahnhof
Mittwoch, 6. Mai 2009
Die Filder — Landschaft der Gegensätze (Tagesfahrt und Führung mit Rainald Ensslin)
Abfahrt: 8.00 Uhr, Bussteig 14, Busbahnhof Stuttgart
Preis : € 48,– pro Person (inkl. Busfahrt, Reiseleitung, alle Führungen und Eintrittsgelder)
Programm: Fahrt auf den Spuren des Wandels in einer sich rasant verändernden Landschaft anhand einer Exkursion des Heimatbunds vor 55 Jahren: Möhringen, Hohenheim, Plieningen, Bernhausen, Echterdingen, Bonlanden, Denkendorf, Nellingen, Scharnhausen und rund um Flughafen und Messe
Samstag, 6. Juni 2009
Großschifffahrtskanal Neckar — Ein verkehrstechnisches Großprojekt und die Haltung des BfH von 1918 bis 1933 (Tagesfahrt und Führung mit Dr. Joachim Hennze)
Abfahrt: 8.00 Uhr, Bussteig 14, Busbahnhof Stuttgart. Zustieg: 8.40 Uhr, Autobahnraststätte Wunnenstein
Preis : € 59,– pro Person (inkl. Busfahrt, Reiseleitung, alle Führungen, Schiffsfahrt Bad Wimpfen–Gundelsheim)
Programm: Der Ausbau des Neckars zwischen Heilbronn und Cannstatt nach 1911 zerstörte eine historische Flusslandschaft. Exkursion auf den Spuren der Neckarkanalisation und bewahrender Interventionen des Bundes für Heimatschutz: Staustufen, Schleusen, Kanäle in Lauffen, Heilbronn, Kochendorf, Guttenbach, Wimpfen, Gundelsheim.
Samstag, 20. Juni 2009
Historische Orte des Heimatschutzes: Laufenburg und Hohenstoffeln (Tagesfahrt und Führung mit Dr. Friedemann Schmoll)
Abfahrt: 8.00 Uhr, Bussteig 14, Busbahnhof Stuttgart. Zustieg: 8.30 Uhr, Parkplatz Parken und Mitnehmen an der Autobahnausfahrt Herrenberg
Preis : € 72,– pro Person (inkl. Busfahrt, Reiseleitung, alle Führungen und Eintrittsgelder)
Programm: Die Ideenwelt des Heimatschutzes wird illustriert anhand von markantem Engagement aus den ersten Jahrzehnten seines Bestehens: der vergebliche Kampf gegen das Rhein-Stauwerk Laufenburg und die Rettung des Hohenstoffeln im Hegau.
Mittwoch, 23. September 2009
Fachwerkhaus und Schmitthenner-Villa, Schwarzwaldhof und Industriedenkmal: Vorbildlicher Denkmalschutz in Baden-Württemberg (Tagesfahrt mit Dr. Siegfried Roth M.A.)
Abfahrt: 8.00 Uhr, Bussteig 14, Busbahnhof Stuttgart
Preis : € 56,– pro Person (inkl. Busfahrt, Reiseleitung, alle Führungen)
Programm: Seit mehr als 30 Jahren vergibt der Heimatbund gemeinsam mit Partnern seinen Denkmalschutzpreis. Markante preisgekrönte Gebäude öffnen ihre Pforten: Schmitthenner-Villa Kahn in Stuttgart, mittelalterliches Nonnenhaus in Tübingen, Morlokhof in Baiersbronn-Mitteltal; noch vor der Sanierung steht die imposante Industrieanlage Alte Spulerei im Industriepark Neckartal, Rottweil.
Zum Reiseprogramm beachten Sie bitte die Allgemeinen Hinweise sowie die Reisebedingungen. Außerdem bieten wir Ihnen Informationen zu den Reiseleiterinnen und Reiseleitern.
