Die Welt der Staufer - Vortragsreihe in der L-Bank Stuttgart 2010
Das Augenmerk des thematischen Schwerpunkts 2010 gilt der schwäbischsten der deutschen Königsdynastien, den Staufern. Im Spätwinter führten wie jedes Jahr sechs von bis zu 500 Zuhörern besuchte Vorträge renommierter und ausgewiesener Fachleute im Foyer der L-Bank in Stuttgart in das Thema ein. Ziel der Vorträge war ein Überblick über diese nicht nur für Schwaben so wichtige historische Epoche. Deren Vielgestaltigkeit zwang freilich von vornherein zur Beschränkung, und so empfahl sich ein besonderer Weg: zu fokusieren von der Großaufnahme der europäischen und geistigen Umwelt der Staufer hinab zur Nahaufnahme, dem Blick auf das Kronland, das Herzogtum Schwaben.
Professor Wolfgang Stürner (Stuttgart) umriss eingangs unter Einschluss auch Frankreichs und Englands die europäische Bühne der Stauferzeit, die u.a. geprägt war von Bevölkerungszunahme, Ostsiedlung, Entstehen einer Städtelandschaft und der ersten Universitäten, Blüte der Literatur in Deutschland, Aufstieg der Zisterzienser und anderem mehr. Der Dynastie selbst und ihren Verknüpfungen und Kämpfen mit Verwandten, Freunden und Gegnern, bis das staufische Reich schließlich schwerpunktmäßig ein Süd-(italien) reich wurde, galt im Folgenden das besondere Interesse von Professor Hansmartin Schwarzmaier (Karlsruhe).
Professor Peter Thorau (Saarbrücken) tat im März einen Schritt aus dem europäischen Kulturkreis hinaus und lenkte die Blicke, arabische Quellen zitierend, von der islamischen Welt aus zurück auf Reich und Herrscher, vor allem auf El Ambaradur, den Imperator Friedrich II., der samt seinen Söhnen einen ganz anderen Umgang mit den Muslimen pflegte als seine kreuzzugsfanatischen Zeitgenossen.
Interessant war zu hören, welch kulturelles Gefälle damals von Ost nach West herrschte. Ein Gedanke, den Dr. Gundula Grebner (Frankfurt) in gewisser Weise weiter verfolgte, als sie über das Erwachen einer moderneren Wissenschaft, die sich nun vom Natur-Wissen langsam zur empirischen Natur-Wissenschaft zu wandeln begann, berichtete. Der Einfluss des Kaiserhofs in Süditalien und des Kaisers selbst, man denke an dessen Falknerbuch, spielte dabei eine wichtige Rolle. So ganz nebenbei – und dies wird in die Fachliteratur eingehen – entdeckte Dr. Grebner bei den Vortragsvorbereitungen die älteste Beschreibung des Schießpulvers (evtl. schon vor 1220).
Mit dem Vortrag von Professor Thomas Zotz (Freiburg) war die Vortragsreihe schließlich im Herzogtum Schwaben angekommen, dem Kronland der Staufer, – noch Konradin empfand es als solches. Der Weg führte vom politisch-geografischen Rahmen Schwabens im 10./11. Jahrhundert zum Jahr 1179, als Heinrich I. das neu zugeschnittene Herzogtum einem Staufer (Herzog Friedrich I.) übertrug, weiter über deren Auseinandersetzungen mit Grafen und herzogsfähigen Familien bis schließlich zur Schlacht bei Frankfurt (1246), in der die das Lager wechselnden Grafen von Württemberg den Untergang des Herrschergeschlechts einläuteten.
Vergangenheit und Gegenwart verknüpfend begeisterte schließlich Dr. Klaus Graf (Neuss) sein Publikum. Er ging dem Mythos Staufer nach, vor allem dessen Instrumentalisierung für verschiedenste Zwecke und Ziele. Der Prozess setzte schon im 16. Jahrhundert ein und führte über oft national eingefärbte literarische Verarbeitungen des Themas Kyffhäuser-Mythos und schließlich, gleichsam als tief gesunkenes Kulturgut, zur touristischen Vermarktung der Staufer in Stauferstraße, dem touristischen Stauferland und dem Stauferteller im Restaurant. Brezeln und Wein auf Einladung der L-Bank rundeten diesen durchaus auch vergnüglichen Vortragsabend ab – wie schon jenen ersten, von Professor Stürner gestalteten.
Die Publizierung überarbeiteter Fassungen folgender Vorträge ist geplant: Dr. Graf in der Ausgabe 2010/3 der Schwäbischen Heimat, Prof. Thorau im Heft 2010/4. Der Vortrag Stürner liegt in etwas anderer Form vor in: W. Stürner, Die Zeit der Staufer, Hörbuch (CD), Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 2010. Die Vorträge Grebner, Schwarzmaier und Zotz werden im Archiv des Heimatbundes zur Einsicht vorliegen.
Fritz-Eberhard Griesinger/Raimund Waibel
