Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises und des 'Sonderpreises Kleindenkmale' 2013

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Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises und des 'Sonderpreises Kleindenkmale' 2013

Die Kulturlandschaft in Württemberg lebt – dank ehrenamtlicher Arbeit

Schafe auf der Weide

Streuobstwiesen, Magerwiesen, alte Weinberge und Moore gehören zu den typischen Elementen der Landschaft in Württemberg. Sie zu erhalten und vor dem Verschwinden zu bewahren ist Ziel des Kulturlandschaftspreises, den der Schwäbische Heimatbund und der Sparkassenverband Baden-Württemberg jedes Jahr ausschreiben. Jetzt wurden wieder sechs Initiativen von Hohenlohe bis Oberschwaben ausgezeichnet. Der Sonderpreis für die Erhaltung von Kleindenkmalen geht an zwei Vereine und einen privaten Denkmalfreund.

Der bereits zum 23. Mal vergebene Preis belohnt Privatpersonen, Vereine und andere Initiativen, die sich um den Erhalt typischer Kulturlandschaften in unserem Land kümmern – mit körperlicher Arbeit, zahlreichen vierbeinigen Helfern und mit Ideen zur Vermarktung regionaler Produkte. Die Preissumme von insgesamt 10.500 Euro wird von der Sparkassenstiftung Umweltschutz zur Verfügung gestellt. Ohne dieses Engagement wären viele der ökologisch extrem wertvollen Schönheiten unserer durch traditionelle Bewirtschaftung entstandenen Landschaft in großer Gefahr oder bereits verschwunden, betonte der Vorsitzende der Jury, Dr. Volker Kracht, bei der Bekanntgabe der Preisträger.

Die sechs in diesem Jahr ausgezeichneten Vereine und Privatpersonen stemmen sich seit Jahren gegen den Druck, der von der wachsenden Siedlungsfläche, veränderten Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft und dem Fehlen von Nachfolgern für die arbeitsreiche Bewirtschaftung von Streuobstwiesen und schwierigen Weideflächen ausgeht.

Den Sonderpreis Kleindenkmale erhalten in diesem Jahr zwei Vereine und eine Privatperson, die die „Zeitzeugen am Wegesrand“ vor dem Verschwinden bewahren, restaurieren und ihre Geschichte(n) in die Öffentlichkeit tragen.

Festveranstaltung

Überreicht wurden alle Preise am 16. Oktober 2013 in der Hohenzollernhalle in 72406 Bisingen von Peter Schneider, Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg, Ministerialdirektor Wolfgang Reimer, Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, und Fritz-Eberhard Griesinger, Vorsitzender des Schwäbischen Heimatbunds.

Die Preisträger 2013 (von Nord nach Süd)

Sonderpreis Kleindenkmale

Johannes und Dorothee Kruck, 74673 Mulfingen (Hohenlohekreis)

Pflege und Erhalt von Kulturlandschaft im mittleren Jagsttal durch extensive Beweidung mit Limpurger Rind und Ziegen.

Ziegenherde

Das mittlere Jagsttal mit seinen von Steinriegeln und Lesesteinhaufen gegliederten Wiesenhängen gehört zu jenen Landschaften, die ohne Beweidung längst zugewachsen, verbuscht und bewaldet wären. Und manche einst offenen Partien im Talverlauf sind heute von geschlossenem Wald geprägt. Neben der vielfältigen, für die Trockenwiesen des Muschelkalks charakteristischen Lebewelt gehen mit der Verbuschung gleichzeitig auch Ausblicke, Genussmöglichkeiten einer herrlichen Landschaft und Wanderwege verloren, die zum Teil auf historisch bedeutsame Fernhandelsstraßen zurückgehen und seit der Jungsteinzeit Osten und Westen, Prag und Paris, miteinander verbunden hatten.

Familie Kruck, deren Milchviehbetrieb westlich von Heimhausen gelegen ist, hat früh die Chancen erkannt, die auch für sie selbst und ihren Betrieb in dieser herrlichen Landschaft und im Tourismus liegen könnten. Und darum haben Johannes und Dorothee Kruck 2002 mit Unterstützung der Stiftung Naturschutzfonds, des Schwäbischen Albvereins und der Naturschutz- und Landwirtschaftsbehörden begonnen, die Offenhaltung der Talhänge durch Beweidung und mechanische Pflege ebenso wie die Pflege der Wanderwege als der touristischen Infrastruktur in ihr Betriebskonzept zu integrieren. Heute bewirtschaften das Ehepaar Kruck und ihr Sohn Fabian insgesamt 160 ha Betriebsfläche, zu denen 15 Hektar Weideland an den Hängen des Jagsttales gehören. Es ist ein moderner Zukunftsbetrieb mit 90 Stück Milchvieh und einer Biogasanlage mit Wärmenutzung, der aber die Pflege der Landschaft und die Erhaltung ihrer touristischen Nutzung so in den Betriebsablauf eingebaut hat, dass es sich rechnet und lohnt!

Sieben Mutterkühe, deren Nachzucht, 15 Weideochsen sowie eine Ziegenherde von etwa 20 Tieren beweiden die stark geneigten und nur schwer zu bewirtschaftenden Einhänge ins Tal. Es sind Limpurger Rinder, Tiere einer noch vor wenigen Jahren vom Aussterben bedrohten württembergischen Rasse. Etwas kleiner und leichter als andere Rassen sind die Tiere für die steilen Hänge besonders geeignet. Sie stehen ganzjährig auf der Weide und ihr zartes Fleisch ist unter der Marke «Limpurger Weideochse » in der Gastronomie mittlerweile hochbegehrt. Und so rechnet sich die Investition, mit der Familie Kruck die Attraktivität der Landschaft um Heimhausen erhält. Das direkt vermarktete Fleisch der Weideochsen wird als Gaumenschmaus geschätzt in der umliegenden Gastronomie und bei deren Gästen, eben den Touristen, die die herrliche Landschaft des Jagsttales genießen. Für diesen, im mittleren Jagsttal weithin sichtbaren Beitrag zur Erhaltung ihrer Kulturlandschaft hat die Jury Familie Kruck mit dem Kulturlandschaftspreis 2013 ausgezeichnet.

Schäfereigemeinschaft Mönsheim GbR, 71299 Wimsheim (Enzkreis)

Herdbuchzucht ostpreußischer Skudden, einer alten Landschaf-Rasse, Beweidung von Extensiv-Grünland, Offenhaltung der Heckengäu-Landschaft durch Koppelschafhaltung, Schaffen von Magerrasen, Information und Öffentlichkeitsarbeit.

Schafherde

Wenn wir von Schäfern reden, denken wir in aller Regel zuerst an Wanderschäfer mit ihren großen Herden und Hütehunden, denen wir die Entstehung unserer herrlichen Wacholderheiden und Magerrasengebiete auf der Schwäbischen Alb und in anderen Sommerweidegebieten zu verdanken haben. Sie lebten vom Ertrag ihrer Produkte – das war in erster Linie die Wolle. Dass solche Wanderschäferei wegen des globalen Preisverfalls für Wolle kaum mehr rentabel oder wegen unüberwindbarer neugebauter Straßen und Siedlungen häufig überhaupt nicht mehr durchführbar war, sind die wichtigsten Gründe dafür, dass dieser Kulturlandschaftstyp bis auf Restbestände geschwunden und weiterhin bedroht ist. Ein Riesenproblem für den Naturschutz, für die Erhaltung der Artenvielfalt in unserer Landschaft und letztlich für uns alle! Gleichzeitig aber ist diese Situation inzwischen Ausgangspunkt für eine neue Art von Schäferei geworden, deren Ziel und Produkt nicht mehr Wolle und Fleisch, sondern Naturschutz und Kulturlandschaft sind.

Die Schäfereigemeinschaft Mönsheim widmet sich seit 2003, also einem Jahrzehnt, dieser Zielsetzung. In dieser Zeit haben die vier nebenberuflichen Schäferinnen und Schäfer einen Betrieb aufgebaut, der mit 42 Mutterschafen – das heißt einschließlich der Lämmer etwa 100 Tieren – in mobiler Koppelhaltung etwa sechs bis sieben Hektar Extensivflächen bei Mönsheim im Heckengäu pflegt. Mit ostpreußischen Skudden, einer sehr seltenen, genügsamen und robusten Schafrasse, die sich ganz besonders für die Landschaftspflege eignet, widmen sie sich im Auftrag der Gemeinde, der Naturschutzverwaltung oder auch von Streuobstwiesen-Eigentümern der Pflege von deren Flächen. Und das erfolgreich! So sind im Naturschutzgebiet Kalkofen, deren Flächen bereits zum Kiefernwald verwachsen waren, heute wieder verschiedene Orchideenarten, Fransenenziane und Küchenschellen mit ansehnlichen Beständen vorhanden.

Dank finanzieller Unterstützung der Gemeinde und des Naturschutzprojektes PLENUM konnte 2006 ein neuer Schafstall errichtet werden, heute Grundlage für den kleinen, aber modernen Schäfereibetrieb. Was die Schäfereigemeinschaft aber ganz besonders auszeichnet, ist die vielfältige und umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit unter dem Motto: Wir fressen für den Naturschutz. Mit Faltblättern, Veranstaltungen, Tagen der offenen Tür, Patenschaften für Lämmer und einer guten Pressearbeit gelingt es ihr, den Zusammenhang von Kulturlandschaft und Landschaftspflege positiv zu vermitteln. Für ihr Projekt, bei dem die Erhaltung der Kulturlandschaft nicht etwa Nebeneffekt, sondern eigentliches Ziel des Betriebskonzeptes ist, wird die Schäfereigemeinschaft Mönsheim mit dem Kulturlandschaftspreis 2013 ausgezeichnet.

Edmund Holocher, 72108 Rottenburg-Wendelsheim (Kreis Tübingen)

Rodung eines ererbten Waldstücks, Wiederaufbau der Weinbergmauern in Handarbeit, Aufbau einer Streuobstwiese.

Weinbergmauern

Steillagenweinbau mit seinen landschaftsprägenden Trockenmauern gehört zu den besonders arbeitsintensiven Kulturlandschaftstypen. Doch weil diese Arbeit in den sonnenexponierten Steillagen auch durch besondere Weine belohnt wird, gibt es immer wieder Preisträger des Kulturlandschaftspreises, die für ein besonderes Engagement zugunsten dieses Landschaftstyps ausgezeichnet werden. Was aber ist mit den vielen sogenannten Weinbaufolgelandschaften – vor Jahrhunderten aufwändig terrassierte Steillagen –, in denen der Weinbau etwa wegen fehlender Klimagunst schon lange aufgegeben wurde und auch der Streuobstbau nicht einfach ist? Von wenigen Beispielen wie etwa den Naturschutzgebieten am Spitzberg bei Tübingen abgesehen, sind diese Lagen meist der Sukzession anheimgefallen und zu Wald geworden.

Edmund Holocher aus dem Rottenburger Ortsteil Wendelsheim hat 2009 ein solches Grundstück von seiner Großmutter geerbt. Während am benachbarten, südexponierten Pfaffenberg ein unter Kennern der Szene am Oberen Neckar sehr geschätzter Wein gedeiht, ist auf seinem, nicht so von der Sonne verwöhnten Grundstück in der Neuhalde längst Mischwald mit Buchen und Fichten gewachsen. Und von den einstigen Trockenmauern aus Wendelsheimer Schilfsandstein waren lediglich baufällige Reste vorhanden. Edmund Holocher aber hatte sich ein Ziel gesetzt, nämlich dieses Grundstück aus diesem Zustand zu befreien und wieder der herkömmlichen Kulturlandschaft einzugliedern. Dass und wie er dies ohne Einsatz großer Maschinen und ganz allein in Handarbeit mit Kreuzpickel und Schaufel geschafft hat, hat die Jury beeindruckt. Zunächst hat er den Wald gerodet und zu Brennholz verarbeitet. Im Anschluss hat er die Reste der einstigen Mauern ausgegraben, den Erdaushub verzogen und die noch vorhandenen Steine auf jeder Terrasse für den Neubau gelagert – kleine für die Hintermauerung getrennt von den großen für die Mauern. Mit Unterstützung eines steinverarbeitenden Betriebes konnte er noch fehlende Steine ergänzen. In beeindruckender Weise hat Herr Holocher anschließend die Mauern der drei Terrassen fachkundig und fachgerecht wieder neu errichtet. Heute, vier Jahre nachdem er das Grundstück übernommen hat, bewirtschaftet er es wieder als zweimähdige Streuobstwiese mit Gewürzluiken und Glockenäpfeln, eine Nutzung, wie sie für solche «Gütle» in Weinbaufolgelandschaften traditionell ist. Mit seiner außerordentlichen Leistung, bei der als Ziel die Wiederherstellung einer intakten Kulturlandschaft im Mittelpunkt stand, hat Edmund Holocher die Jury überzeugt, ihn mit dem diesjährigen Kulturlandschaftspreis zuzuerkennen.

Dietmar Klaiber und die Arbeitsgemeinschaft Donaumoos e.V., 89129 Langenau (Alb-Donau-Kreis)

Erhalt der einmaligen Lebensräume und Lebensraumtypen im württembergischen Donauried, Weiterführung und Wiederaufnahme traditioneller Nutzungsformen, extensive Beweidungskonzepte, Offenhaltung der Riedlandschaft.

Büffelherde

Zu den wenigen Landschaftselementen in unseren Landen, die nicht Kulturlandschaft, sondern reine Naturlandschaft sind, gehören die Moore. Moore und ihre Lebensgemeinschaften repräsentieren ursprüngliche Natur, aber nur dann, wenn denn der Mensch nicht seit Jahrhunderten mit Trockenlegung, Torfabbau und dem anschließenden Versuch landwirtschaftlicher Kultivierung eingegriffen hat. So haben sich in den von den Eiszeiten geprägten Landesteilen im Süden des Landes ganz eigene Kulturlandschaften in kultivierten Mooren entwickelt, die sich durch charakteristische Lebensgemeinschaften mit vielen überaus seltenen Arten auszeichnen. Besonders rentabel aber waren diese Standorte nie, sodass die Intensivierungswelle der Landwirtschaft im letzten Jahrhundert den meisten Moorkulturen ein Ende gesetzt hat. Flächen, die nicht noch weiter intensiviert werden konnten, wurden aufgegeben oder aufgeforstet.

Dietmar Klaiber und die AG Donaumoos Langenau engagieren sich seit mehr als 35 Jahren für den Erhalt der einmaligen Lebensräume und Lebensraumtypen im württembergischen Teil des Donauriedes bei Langenau. In diesem großen, vom einstigen Torfabbau gezeichneten Moorgebiet haben sie in diesen Jahren die traditionelle Streuwiesenmahd sichergestellt, verbuschende Flächen vom Gehölzaufwuchs befreit und trockengelegte Flächen wieder vernässt. Seit über 20 Jahren schon ist ihnen dabei der Biber eine große Hilfe. Auf knapp fünf Hektar Fläche hat Dietmar Klaiber, engagierter Landwirt und Mitglied der AG Donaumoos Langenau, versucht, eine extensive Feuchtwiesenweide zu installieren.

Versuche mit Hinterwälder-Rindern und Fleckvieh brachten jedoch immer wieder Schwierigkeiten mit sich, bis Dietmar Klaiber bei einem Zoobesuch die Wasserbüffel entdeckte. Seit drei Jahren schon weiden diese mächtigen Rinder, die für ihre Genügsamkeit und ihr hochwertiges, fettarmes Fleisch berühmt sind, als Mutterkuhherde nun auf der nassen Fläche und fühlen sich sichtlich wohl. Gesundheitsprobleme gehören der Vergangenheit an und die Flächen entwickeln sich prächtig. Etliche moortypische und längst verschwundene Pflanzenarten haben sich in den Trittspuren, Wasserstellen und Büffelsuhlen erneut angesiedelt und belegen eindrucksvoll den Erfolg der extensiven Moorkultur. Für ihr jahrzehntelanges Engagement zum Erhalt des Donauriedes und ihr erfolgreiches Beweidungsprojekt mit Wasserbüffeln erhalten Dietmar Klaiber und die AG Donaumoos den Kulturlandschaftspreis 2013.

Obst- und Gartenbauverein Thanheim e.V., 72406 Bisingen-Thanheim (Zollern-Alb-Kreis)

Erhaltung und Pflege von Streuobstwiesen am Thanheimer Ortsrand, Sanierung, Erhaltung und Nutzung eines Schafstalls, zahlreiche Arbeitseinsätze, Pflanzaktionen, Baumschnitt, Freiluftkino unter Streuobstbäumen.

drei Personen an einem jungen Obstbaum

Am Trauf der Reutlinger und Zollernalb, also auch in Bisingen- Thanheim, ist die Allmende, die dörfliche Gemeinschaftsfläche, schon seit dem 19. Jahrhundert meist Streuobstwiese. Das war einmal eine gute Sache gewesen. Aber in den vergangenen Jahrzehnten, in denen selbst private Streuobstbestände mangels Wirtschaftlichkeit vielerorts aufgegeben, weder gepflegt noch nachgepflanzt und oft nicht einmal beerntet wurden, da sah es für Obstbäume im Gemeindebesitz besonders schlecht aus. Vielleicht konnte der eine oder andere Baum zur Ernte noch verpachtet oder versteigert werden, an fachgerechten Schnitt und an Pflege aber war meist kaum noch zu denken.

In Thanheim ging einigen Bürgern der unerfreuliche Zustand der Obstwiesen am Ebersberg, im Greut und am Ortsrand gegen den Strich. Und dass gleich angrenzend der gemeindliche Schafstall, schon lange ungenutzt, ebenso dem Verfall ausgesetzt war, kam noch dazu. Sie hatten eine Idee und sie haben für deren Realisierung Mitstreiter gefunden. Im Januar 2010 wurde der Obst- und Gartenbauverein Thanheim e.V. mit stolzen 60 Gründungsmitgliedern aus der Taufe gehoben. Die Gemeinde hat dem neuen Verein die gemeindlichen Streuobstwiesen mit etwa 200 Bäumen und den Schafstall übertragen. Es wurde ein arbeitsreiches Jahr mit zahlreichen Arbeitseinsätzen! Mit der Unterstützung von 18 Fachwarten der Baumfachwartvereinigung Zollernalb ging es im Frühjahr an den Obstbaumschnitt, im Sommer an die Instandsetzung des Schafstalles und im Herbst zur Ernte wieder in die Obstwiesen.

Inzwischen sind drei Jahre ins Land gegangen und der Schafstall geht seiner Fertigstellung entgegen. Die Obstwiesen sind mittlerweile kaum wiederzuerkennen. Bestandslücken wurden geschlossen und junge Bäume nachgepflanzt. Der jährliche Baumschnitt und die Pflege der alten Bäume schlagen sich positiv im Obstertrag nieder. Über acht Tonnen Obst, die zugunsten der Tafelläden versaftet wurden, waren beispielsweise das Ergebnis im Jahr 2011. Alle Bäume sind kartiert und hinsichtlich der Sorte katalogisiert. Und vor allem: die Aktion des Vereins kommt an! Die Bedeutung der Streuobstwiesen als typisches Kulturlandschaftselement am Albtrauf ist ins Bewusstsein der Thanheimer zurückgekehrt. Für dieses zwar noch junge, aber in der kurzen Zeit sehr erfolgreiche Projekt wird dem Obst- und Gartenbauverein Thanheim der diesjährige Kulturlandschaftspreis zuerkannt.

Netzwerk Fachwarte, 88400 Biberach-Bergerhausen (Kreis Biberach)

Förderung der Obstbaum- und Streuobstpflege im Landkreis Biberach, Weiterbildung der Fachwarte, Pflege von Streuobstwiesen, Pflanzaktionen.

Menschen an Bäumen zum Astschneiden

Ein Bewertungskriterium für den Kulturlandschaftspreis kann sein, dass preiswürdige Projekte durch eine gewisse Dauer ihre Nachhaltigkeit und ihre Wirksamkeit über den Tag hinaus belegt haben. Aber keine Regel ohne Ausnahme! Mit dem Netzwerk Fachwarte im Landkreis Biberach hat die Jury ein Projekt prämiert, das erst im vergangenen Jahr ins Leben gerufen worden ist. Doch haben uns die Idee des Projektes und die Chancen zur Förderung der Kulturlandschaft, die darin stecken, so gut gefallen, dass die Jury mit daran arbeiten will, diese gute Idee zu verbreiten und umzusetzen. Auch in Biberach haben die Streuobstbestände in den vergangenen Jahrzehnten unter der mangelnden Wirtschaftlichkeit dieses wichtigen Landschaftselementes gelitten. Viele, vor allem alte Baumbestände wurden seit langen Jahren nicht geschnitten und sind in einem traurigen Zustand.

Egal, ob in Privat- oder Gemeindebesitz – um solche Bestände wieder auf Vordermann zu bringen, bietet das Netzwerk seine Partnerschaft an. Das Netzwerk – das sind mehr als 60 geprüfte Baumwarte, die ihre Ausbildung nach den Kriterien des Landesverbandes für Obstbau, Garten und Landschaft Baden-Württemberg e.V. absolviert haben. Sie beraten Privatleute und Kommunen bei Neuanlagen, bieten Fortbildungen an und haben derzeit etwa 450 Obstbäume in Pflege. Und dann haben sie noch ein besonderes Angebot und das hat es in sich! Ehrenamtlich nämlich übernehmen die Fachwarte des Netzwerks die vollständige und sehr aufwändige Grundpflege eines überalterten Bestandes in schlechtem Zustand dann, wenn sich der Eigentümer verpflichtet, für die notwendige Folgepflege sich entweder selber zum Fachwart ausbilden zu lassen oder aber einen Fachmann gegen entsprechende Bezahlung mit der künftigen Pflege zu beauftragen.

Diese Grundsanierung durch die Netzwerkmitglieder selbst wird ehrenamtlich geleistet; ein entsprechend großzügiges Vesper für die Beteiligten sollte daher allerdings selbstverständlich sein. In der kurzen Zeit seines Bestehens konnte das Netzwerk bereits eine ganze Reihe solcher Grundsanierungen und etliche andere Pflegeaktionen mit großer öffentlicher Wirksamkeit durchführen. All das zeigt: Hier wurde mit Begeisterung und Fachkenntnis eine Idee umgesetzt, die zündete und hoffentlich landauf, landab noch viele Nachahmer finden wird! Für seine überzeugende Idee, dem Streuobstwiesenbestand im Landkreis Biberach Wege in die Zukunft zu bahnen und die Bedeutung dieses Kulturlandschaftselementes in der öffentlichen Wahrnehmung wieder zu stärken, wird das Netzwerk Fachwarte mit dem Kulturlandschaftspreis 2013 ausgezeichnet.

Sonderpreis Kleindenkmale

Stiftung Gedenkstätte Straßenkapelle, 97900 Külsheim (Main-Tauber-Kreis)

Renovierung und Pflege einer Straßenkapelle, Restaurierung und Aufstellung von Wegzeichen und Kreuzwegstationen.

Kirchliche Kapelle im Schnee

Am Rande des ehemaligen Standortübungsplatzes Külsheim im Main-Tauber-Kreis stößt man in einem von einer alten Lindenallee geprägten Naturdenkmal auf eine kleine Gedenkstätte, die mit einem Ensemble von Kleindenkmalen recht unterschiedlicher Art und unterschiedlichen Gedenkens zu einem übergreifenden Ort der Besinnung geworden ist. Kristallisations- und Mittelpunkt ist eine schlichte, aber sehr ansprechend ausgestaltete Straßenkapelle aus dem Jahr 1721. Um sie herum gruppiert sind vier Bildstöcke eines bei der Errichtung im 18. Jahrhundert wohl unvollständig gebliebenen Kreuzweges, die zum Schutz vor einer möglichen Beschädigung durch den militärischen Übungsbetrieb aus der Lindenallee an die Kapelle versetzt wurden. Ebenso in das Umfeld der Kapelle versetzt finden sich steinerne Feldkreuze aus dem 17. Jahrhundert sowie schöne und gut erhaltene steinerne Wegweiser – Stelen aus dem frühen 19. Jahrhundert. Integriert in dieses Ensemble von Zeugnissen des Gedenkens an eher private Ereignisse findet sich ein 1966 errichtetes Ehren- und Mahnmal einer Panzerdivision der Wehrmacht sowie sieben Gedenksteine für Bundeswehrsoldaten des Standortes Külsheim, die im Dienst ums Leben gekommen sind. Die sicherlich ungewöhnliche Zusammenstellung kann dabei Perspektiven von Mahnung und Besinnung im Dialog eröffnen und ein Weg sein, Türen zu öffnen.

Um die Erhaltung dieser besonderen Gedenkstätte, die sich über Jahrzehnte entwickelt hatte, zu sichern, wurde 2001 eine Stiftung «Gedenkstätte Straßenkapelle» gegründet. Sie hat sich seitdem stetig und erfolgreich um die Kleindenkmale gekümmert, sie restauriert und insbesondere 2006 auch eine Renovierung der Kapelle durchgeführt, die in diesem Zusammenhang ein neues Dach bekommen hat. Aber auch nachdem die Lindenallee 2012 im Sturm schwer geschädigt wurde, waren die Helfer der Stiftung bei Sicherungs- und Erhaltungsmaßnahmen gefordert. Für ihr Engagement zugunsten der Kleindenkmale und das Gesamtensemble wird die Stiftung Gedenkstätte Straßenkapelle Külsheim mit ihrem Vorstand Friedrich Fessner mit dem diesjährigen Sonderpreis Kleindenkmale ausgezeichnet.

Grenzsteingruppe Leinfelden-Echterdingen (Kreis Esslingen)

Kleindenkmalerfassung (über 800 Grenzsteine und andere Objekte), aufwändige Recherche und Dokumentation, Ausstellung, Film.

Grenzsteine in einer Ausstellung

Als im Jahr 2009 im Landkreis Esslingen die Erfassung der Kleindenkmale im Rahmen des landesweiten Kleindenkmalprojektes begann, konnte das Projekt in der Stadt Leinfelden-Echterdingen auf eine bereits zweijährige Vorarbeit einer Gruppe ehrenamtlich engagierter Frauen und Männer zurückgreifen, die sich seit 2007 bevorzugt der Erfassung und Dokumentation von Grenzsteinen gewidmet hatte. Begeistert aber haben sie dann ihr Betätigungsfeld auf Kleindenkmale insgesamt erweitert. Und das Ergebnis nach inzwischen sechs Jahren Arbeit ist beeindruckend! Eine Arbeitsgruppe – mit einem Vermessungsfachmann im Ruhestand als Fachmann dabei – hat auf insgesamt 64 Kilometern äußerer und innerer Stadtgrenze über 500 erhaltenswerte Grenzsteine geortet und dokumentiert. Dabei konnten mehrere historische Liegenschaften identifiziert und großartige sogenannte «Zehntsteine» des früheren Besitzes der Klöster Bebenhausen, Hirsau und Salem gefunden werden. Eine zweite Arbeitsgruppe hat sich den Kleindenkmalen gewidmet – mit großartigem Ergebnis: Insgesamt etwa 300 Objekte wurden perfekt gezeichnet, fotografiert, dokumentiert und mit ihren Geodaten auf einer Karte der Stadt verortet. Dazu haben die Mitglieder der Gruppe in Archiven und in zahllosen Gesprächen mit Menschen Archivalien, Presseberichte, alte Fotos und lange vergessene Geschichten zu den Objekten gefunden und zugänglich gemacht. Was lag näher, als diese Fülle von Material auszugsweise der Öffentlichkeit vorzustellen?

So entstand die Ausstellung «Kleindenkmale ganz groß – verborgene Schätze in Leinfelden-Echterdingen», die mit einem reichhaltigen Begleitprogramm und stolzen 1660 Besuchern von September 2012 bis Februar 2013 im Stadtmuseum präsentiert wurde. Ganz herzliche Gratulation zu diesem Erfolg, der mit dem Sonderpreis Kleindenkmale 2013 ausgezeichnet wird.

Martin Häußler und Gottfried Deckenbach, 89134 Blaustein (Alb-Donau-Kreis)

Restaurierung und Dokumentation von ca. 150 Marksteinen seit 2008.

drei Grenzsteine auf einer Wiese

Der dritte Sonderpreis in diesem Jahr geht an zwei aktive Kleindenkmal-Enthusiasten, die sich ebenfalls mit der Erfassung, Sicherung und Erhaltung von Grenzsteinen befasst haben, allerdings in einer Landschaft mit anderer Geschichte, im Hochsträß und dem benachbarten Blautal nahe der ehemals Freien Reichsstadt Ulm nämlich. Seit 2008 haben Martin Häußler und Gottfried Deckenbach insgesamt etwa 150 Grenzsteine rund um ihren Wohnort Blaustein-Arnegg gefunden, identifiziert, gesäubert, zum Teil wieder aufgerichtet und erneut lesbar gemacht. Es ist eine überaus interessante Vielfalt unterschiedlicher steinerner Zeugen zu Tage gekommen, die von der kleinterritorialen Zersplitterung des Raumes erzählen. Die ältesten stammen aus den Jahren 1652 und 1672.

Um den Sonderpreis Kleindenkmale haben sich die beiden Herren aber mit einem thematischen Schwerpunktprojekt beworben: der Dokumentation der Grenzsteine rund um den Erminger Spitalwald. Diese historische Liegenschaft der Ulmer Hospitalstiftung konnten die beiden Preisträger mit dankenswerter Unterstützung durch die Stadt Ulm anhand von 40 von ihnen gefundenen, bis dahin nicht bekannten Grenzsteinen im Gelände aufzeigen. Die zum Teil überaus gut erhaltenen Steine waren der Anlass, sich mit den Besitz- und Herrschaftsverhältnissen und der Geschichte dieser Stiftung, die für die Stadt Ulm einst erhebliche Bedeutung hatte, intensiv auseinanderzusetzen. Entstanden ist eine lesenswerte Arbeit, die – ausdrücklich unter Einbeziehung auch der übrigen Leistungen der beiden Bewerber – die Jury überzeugt hat, Martin Häußler und Gottfried Deckenbach mit dem Sonderpreis Kleindenkmale 2013 auszuzeichnen.

Hinweise

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern

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