Italiens Aufbruch in die Moderne.

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Italiens Aufbruch in die Moderne.

Avantgarde, faschistisches Pathos, Sachlichkeit am Beispiel Mailands und Turins

Reise Nr. 41

Leitung: Sven Gormsen

Sonntag, 22. Juli, bis Samstag, 28. Juli 2018 (7 Reisetage)
Abfahrt: 8.00 Uhr Echterdingen, S-Bahnhof. Ihre Abholzeit mit dem Taxiservice entnehmen Sie bitte den Reiseunterlagen.
Zustieg: 8.30 Uhr "Parken und Mitnehmen" an der Autobahnausfahrt Herrenberg

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Die großstädtischen Zwanzigerjahre unterscheiden sich in Italien nicht wesentlich von den modernen Entwicklungen in Frankreich oder Deutschland. Allerdings ist das Land in dieser Zeit früh beherrscht vom Faschismus, der hier zehn Jahre mehr Zeit hat als in Deutschland, um Spuren in der Entwicklung von Kunst, Architektur und Städtebau zu hinterlassen. Nicht zuletzt, da das Land seine ländlich und handwerklich geprägte Kultur erst dann zu überwinden beginnt. Die Zeiten, in denen zumindest der Norden in seinen Städten Handel, Bankenwesen und Renaissance-Kultur in europaweit führender Position erlebte, sind da schon lange vorbei.

Natürlich erzeugt der Faschismus nicht nur in den Reden Mussolinis Pathos und Monumentalität. Marcello Piacentini, der Staatsarchitekt Mussolinis, hat Städte und Stadtteile mit seiner Architektur der "Italianità" geformt, ob in Brescia, Genua oder Turin, mit dem Triumphbogen in Bozen. Aber selbst ganz modern orientierte Künstler machten sich mit dem System gemein und schufen dennoch Kunst und Architektur, wie sie in der Bundesrepublik erst nach 1945 wieder möglich wurde: Die Futuristen Mario Sironi, Gio Ponti oder Giuseppe Terragni.

In den Großstädten Norditaliens erkunden wir diese spannenden Widersprüche, auch in Bezug zu den historischen Entwicklungen seit dem Mittelalter. Ideen und wissenschaftliche Überlegungen Leonardo da Vincis begleiten uns dabei genauso wie die Malerei der Zwanziger Jahre, die Architektur zwischen Historismus und Razionalismo, die Industriebauten von Fiat und Olivetti und die jüngsten Modeentwicklungen und kühnen Hochhausbauten in Mailand.

1. Tag: Anfahrt nach Mailand (3 Übernachtungen) und erster kleiner Rundgang.

2. und 3. Tag: Die Moderne in Mailand und ihre Geschichte: Mailand präsentiert sich heute als hochmoderne Metropole. Dieses Gesicht und seine Geschichte ist das Thema des ersten Stadtrundgangs. Der Domplatz und Piazza Diaz, Torre Velasca, kühne Architektur von Luigi Moretti, römische Säulen an der Porta Ticinese, der Park der Basiliken, der Naviglio Darsena und die Geschichte der Mailänder Kanäle begleiten uns bis zu Sant'Ambrogio. Vor San Sepolcro rief Mussolini die Fasci di Combattimento ins Leben zum Kampf gegen Sozialisten und liberalen Staat. Zum trostreichen Abschluss besuchen wir Bramantes San Satiro. Die Entwicklung der Bildwelt erkunden wir zunächst in der Pinacoteca di Brera von der Renaissance bis in die Moderne, Letztere noch etwas gründlicher im Museo del Novecento mit Balla, Carrà, Boccioni, Soffici, Sironi. Die Architektur rund um die Zwanziger Jahre erwandern wir entlang Gio Pontis Rasini-Turm, Giovanni Muzios Ca’ Brutta ("hässliches Haus"), Pontis Palazzi Montecatini bis zum Torre Unicredit und den vertikalen Gärten, die seit den letzten Jahren ebenso an den Wolken kratzen wie Pontis Pirelli-Hochhaus. Einen Blick werfen wir natürlich auch auf Urban City Life mit Hochhäusern von Zaha Hadid oder Daniel Liebeskind. Daneben aber nicht zuletzt auf Juwelen des Razionalismo von Luigi Figini, Giuseppe Pagani oder Giuseppe Terragni.

4. Tag: Nach Turin und Besuch bei Olivetti: In Ivrea lassen wir die Architektur der Firma Olivetti auf uns wirken, wie sie sich zwischen 1886 und 1958 entwickelte, zu nicht geringen Teilen eben auch in faschistischen Zeiten. Vor der Ankunft in Turin, Norditaliens zweiter prägender Großstadt (2 Übernachtungen) gönnen wir uns die Aussicht über die Stadt vom Monte Cappuccini. Ein Stadtrundgang führt zu Schlössern, Plätzen und den schönsten Kaffeehäusern der Stadt.

5. Tag: Die Moderne in Turin und ihre Geschichte: War Mailand immer schon bürgerlich geprägt, finden wir in Turin eine typische Residenzstadt mit entsprechenden Straßenzügen und Bauten, dazu deutliche Strukturen der Arbeiterstadt, wie sie sich seit der Gründung Fiats 1899 explosionsartig entwickelte. Wir erwandern zunächst die Kernstadt mit Plätzen und Barockbauten, und hier treffen wir in der Via Roma jetzt auch auf den unvermeidlichen Marcello Piacentini, den Stadtgestalter Mussolinis. Weiter südlich hingegen erkunden wir industrielle Moderne im Fiat-Werk und besuchen die Pinacoteca Giovanni e Marella Agnelli auf dem Dach, erbaut von Gio Ponti.

6. Tag: Leonardo da Vinci und Giuseppe Terragni als Wegbereiter: Nach so viel Stadt und Moderne gönnen wir uns den Blick zurück in die Renaissance Leonardos und über Land, das in Norditalien allerdings weniger idyllisch als vielmehr landwirtschaftlich strukturiert ist. Nicht zuletzt durch die Planungen Leonardos, die wir in der Lomellina in und um Vigevano kennen lernen. Und schließlich vier der beeindruckend modernen Bauten des bekennenden Faschisten Giuseppe Terragni, der mit der Casa del Fascio und dem Kindergarten in Como wegweisend klare Architektur errichtet hat (Übernachtung im Raum Como).

7. Tag: Rückfahrt nach Stuttgart.

Leistungen:

Preis:

€ 1325,– pro Person im Doppelzimmer
€ 1470,– pro Person im Einzelzimmer

Reisepapiere: gültiger Personalausweis oder Reisepass

Beachten Sie bitte auch unsere Allgemeinen Hinweise, die Reisebedingungen sowie unseren Taxiservice.