Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises 2017

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Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises 2017

Am 6. Juli 2016 kam die Jury des 39. Kulturlandschaftspreises zusammen, um die eingesandten Bewerbungen zu bewerten und die Preisträger des Jahres 2017 zu küren. Für den Hauptpreis im gemeinsamen Wettbewerb des Schwäbischen Heimatbundes und des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg bewarben sich in diesem Jahr über 30 Gruppen und Einzelpersonen, für den Sonderpreis Kleindenkmale gingen über 20 Bewerbungen ein. Das Preisgeld in Höhe von über 10.000 Euro stellt die Sparkassenstiftung Umweltschutz zur Verfügung.

Die Verleihung findet am 9. Oktober 2017 in Sontheim an der Brenz statt.

Jugendkulturlandschaftspreis

Fichtenberger Osterferienprogramm (Kreis Schwäbisch Hall)

für Biotoppflege, Landschaftsschutz, Entbuschungsmaßnahmen, Obstbaumpflanzungen, Anbringen von Nisthilfen, Anlage von Blumenstreifen und weitere Naturprojekte durch Kinder und Jugendliche im Rahmen des jährlichen Osterferienprogramms.

Kinder bauen Nistkästen

Die Geburtsstunde des Osterferienprogramms war die Wiederherstellung eines Biotops im Jahr 2009. Seither fanden jährliche Pflegeaktionen statt. Durchschnittlich 35 Kinder und Jugendliche nehmen jedes Jahr daran teil. Erwachsene sind in der Minderzahl. Zwischenzeitlich gehören auch Obstbaumpflanzungen dazu, wobei seit 2011 ausschließlich die jungen Menschen selbst aktiv sind. Nisthilfen, das Anlegen und Pflegen von Blumenstreifen sowie weitere Natur- und Kulturlandschaftsprojekte gehören zum wiederkehrenden Programm. Bemerkenswert ist der große Elan, mit dem Kinder und Jugendliche sich in der Natur einsetzen und selbst Initiative entwickeln. Die große Motivation ist es, selbst etwas Nachhaltiges bewirken zu können.

Kulturlandschaftspreis

(von Nord nach Süd)

Familie Messer, Waldenburg-Hohenau (Hohenlohekreis)

für umfangreiche Obstbaumbewirtschaftung mit 400 Bäumen, Getreide- und Futteranbau in Hanglagen, Vertragslandschaftspflege und Vermarktung von Obst und Fleisch.

Menschen mähen Wiese unter Bäumen

Seit vielen Jahren pflegt Familie Messer in beispielhafter Weise markante Hanglagen und hilft auf diese Weise mit, das charakteristische Landschaftsbild der Schwäbisch-Fränkischen Waldberge zu bewahren. Auf einem Drittel der Flächen baut sie Getreide und Kleegras für die hofeigenen Tiere - Mutterkuhherde und Mastschweine - an, die übrigen zwei Drittel sind Extensivgrünland, das zu großen Teilen mit rund 400 Obstbäumen bestockt ist. Dort ist dann auch Handarbeit angesagt. So ist auch Platz für FFH-Artenschutzmaßnahmen. Die Schlachttiere mit ihrem hochwertigen Fleisch werden von einer lokalen Metzgerei vermarktet; der Obstsaft wird privat verkauft.

Tannenburg GbR, Ruth und Ernst-Martin Zipperer, Bühlertann (Kreis Schwäbisch Hall)

für einen Bio-Landwirtschaftsbetrieb mit Mutterkuhherde, Beweidungskonzept, Grünlandwirtschaft und Streuobstpflege nebst Erlebnispädagogik mit Gästepension und Schullandheim.

Kinder im Wald

Die Tannenburg - eine gut erhaltene Stauferburg - ist seit über 80 Jahren im Besitz von Familie Zipperer. Sie ist der Ausgangspunkt für ein integriertes Konzept. Es besteht aus einem Bio-Landwirtschaftsbetrieb mit 100ha Fläche, darunter etwa die Hälfte Grünland mit viel Steilfläche und Streuobst, 30ha Ackerfläche sowie Wald. Die Beweidung geschieht durch eine Mutterkuhherde mit 120 Tieren. Der zweite Teil des Konzepts ist seit den 1960er-Jahren eine Gästepension nebst Veranstaltungsräumen. Der Beherbergungsbetrieb wird seit etwa 10 Jahren durch pädagogische Angebote für Schulklassen sowie Kinder- und Jugendgruppen unter dem Titel "Lernort Bauernhof" angereichert. So greifen Erholung, Wissensvermittlung und ein Gespür für den Wert der Kulturlandschaft ineinander.

Köhlerfamilie Hees, Ebersbach-Büchenbronn (Kreis Göppingen)

für die Aufrechterhaltung der Köhlerei sowie für regelmäßige Führungen und Köhler-Projektwochen.

Mann erklärt eine Schautafel

Zwei Brüder der Familie Hees und deren Söhne führen seit vielen Jahren ein uraltes Gewerbe - die Köhlerei - weiter, die schon über Generationen hinweg von den Familien betrieben worden war. Ihr Ziel ist es, dass dieses wichtige Kulturlandschaftselement nicht in Vergessenheit gerät. Der Herstellungsprozess "Holz zur Kohle" wird ganz den Traditionen entsprechend in aufwendiger und schweißtreibender Arbeit durchgeführt. Um auch die Öffentlichkeit an den Traditionen teilhaben zu lassen, veranstaltet die Köhlerfamilie Hees jedes Jahr eine Köhlerprojektwoche und gibt die Informationen ganzjährig auch an Schulklassen und andere Gruppen weiter.

Naturschutzgruppe des Schwäbischen Albvereins, Ortsgruppe Sontheim an der Brenz (Kreis Heidenheim)

für zahlreiche Pflegeaktionen, Neuanlage von Streuobstwiesen und Heckenpflanzungen, Aufstellen von Wildbienenhäusern und Informationstafeln zur Kulturlandschaft.

Schautafel

Seit rund 25 Jahren ist die SAV-Naturschutzgruppe in der Pflege der Kulturlandschaft aktiv, seit sie 1993 eine Streuobstwiese mit 42 Hochstämmen alter und resistenter Sorten anlegte. Ergänzt durch eine Wind- und Vogelschutzhecke ist die Wiese heute ein Paradebeispiel für die Kombination aus Landnutzung und Naturschutz. Weitere Bäume, darunter auch ein Maulbeerbaum, ein Speierling sowie Wildäpfel und -birnen, runden das Engagement ab. Dazu gehören auch ein Wildbienenhaus, Wildblumenflächen sowie Informationstafeln zum Streuobstanbau. Es versteht sich von selbst, dass die Pflege der Bäume von beispielhafter Qualität ist. Im Laufe der Jahre sind so 7.500 ehrenamtliche Arbeitsstunden zusammengekommen.

Stefanie Wolf und Alfons Kohlmeier-Wolf, Bad Waldsee (Kreis Ravensburg)

für das Konzept der Ziegenvermietung zur Landschaftspflege unter dem Titel "Rent a Goiss".

Ziegen auf einer Wiese

Aus einem Kommunionsgeschenk wurde ein landschaftsprägender Betrieb: aus der geschenkten Ziege ist ein Herdbuchbetrieb mit 60 Mutterziegen geworden, der seit 30 Jahren die Landschaft um Mittelurbach prägt. 2011 entstand die Idee, Ziegen zur Landschaftspflege zu vermieten und auf anderen Flächen einzusetzen. Als "Rent a Goiss" wurde aus einer spontanen Idee eine gesuchte Marke. Tierhalter aus ganz Deutschland suchen über die Internetseite Rat für ähnliche Konzepte. Zugleich betreibt Familie Wolf mit ihrer eigenen Pflege- und Zuchttätigkeit sowie bei der Jugendarbeit Öffentlichkeitsarbeit in Sachen Landwirtschaft und zeigt sich des Öfteren im Bauernhofmuseum Wolfegg.

Sonderpreis Kleindenkmale

Jugendliche im Wald

Jungenschaft Neipperg der Evangelischen Kirchengemeinde (Kreis Heilbronn)

für die Kleindenkmalerfassung in Neipperg einschließlich Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation.

Auf annähernd 13 km Länge suchte die Jugendgruppe über zwei Jahre hinweg die Hauptgrenzpunkte der Neipperger Markung ab und dokumentierte jeden Stein sorgfältig in Wort und Bild. Die große Motivation der jungen Menschen bestand darin, dass sie die ersten überhaupt waren, die diese geschichtlichen Zeugnisse wieder systematisch ans Tageslicht brachten. Sie selbst betrachteten es als "Schatzsuche". Dabei bedienten sie sich modernster satellitengestützter Technik. Neben einer ausführlichen Dokumentation und einer intensiven Pressearbeit machten sie auf sich und ihre Arbeit durch zahlreiche Führungen für die gesamte Bürgerschaft aufmerksam.

Roland Buggle, Schorndorf (Rems-Murr-Kreis)

zwei Grenzsteine

für die Restaurierung der Umsteinung des Fliegenhofs, eines Waldsiedelhofs des 16. Jahrhunderts.

Nach jahrhundertelanger Nutzung des Hofes verfiel dieser Anfang des 20. Jahrhunderts nach der Auflösung der Spitalgüter. Roland Buggle war es ein wichtiges Anliegen, die alte Hofgrenze und deren Versteinung für die Nachwelt wieder sichtbar zu machen. Mit alten Grenzbeschreibungen und Karten machte er sich in oft unwegsamem Gelände auf die Suche, legte Steine frei oder richtete sie wieder auf und reparierte sie. Eine ausführliche Beschreibung der Hofgeschichte rundet Roland Buggles beispielgebendes Engagement ab.

Eberhard Klein, Schlaitdorf, und Günther Schwarz, Waldenbuch (Kreise Esslingen und Böblingen)

Mauerbogen im Schnee

für die Dokumentation über Waldnutzung, Geschichte und Kleindenkmale im Waldgebiet "Bezenberg" am Schönbuch-Nordrand.

Die zwei ehemaligen Förster haben im Gebiet "Bezenberg" vielfältige Spuren menschlicher Tätigkeit entdeckt: keltische Siedlungsreste und römische Spuren, Grabstellen, Glasverhüttung, Häfnereien, Waldwirtschaft, Pirschgänge, Steinbrüche, Grenzsteine und vieles mehr. In einer umfangreichen Broschüre haben sie ihre Forschungsergebnisse und die Geschichte dieses Waldgebiets dargestellt. Insbesondere wurden die Kleindenkmale, deren Art und Standorte dokumentiert.