Peter Henning: Mein Schmetterlingsjahr – ein Reisebericht.

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Peter Henning: Mein Schmetterlingsjahr – ein Reisebericht.

Konrad Theiss Verlag Darmstadt 2018. 228 Seiten mit 46 Abbildungen. Leinen € 19,95. ISBN 978-3-8062-3687-3

Titelblatt

Insekten stellen sich mehr und mehr als wichtiger Indikator für den Zustand von Natur und Umwelt heraus. Insofern muss ein Buch mit diesem Titel Beachtung finden. Würde man den Namen des Autors nicht von anderen Werken mit ganz anderer Thematik kennen, müsste man glatt sagen: Der hat nix anderes als Schmetterlinge im Kopf. Das Buch fängt an mit dem Tagpfauenauge in der 10. Zeile, hört auf mit dem Großen Schillerfalter in der zweitletzten Zeile, und dazwischen gibt es kaum mal zehn Zeilen ohne Schmetterlingsnamen. Man muss sich vorstellen: Da bummelt ein freischaffender Autor ein ganzes Jahr lang durch halb Südeuropa von einem Ort zum anderen, von dem in Fachkreisen Besonderheiten der Schmetterlingswelt bekannt sind. Wem ginge während eines solchen Urlaubsjahres nicht das Herz auf, egal, ob er Schmetterlinge oder Orchideen zu seinem Hobby gemacht hat? Man kann also die Begeisterung für Schmetterlinge gut nachfühlen – der Rezensent im besonderen, denn auch er hat in seiner Jugend einen Schmetterlingskasten daheim gehabt: Schmetterlinge faszinieren, ihre verschiedenen Stadien, ihr flatterhaftes Wesen, ihre farbenfrohe Schönheit.

Der Autor versteht es, seine ganz persönlichen Erlebnisse auf der Reise ganz ungezwungen mit dem geradezu wissenschaftlich akribisch aufgearbeiteten Thema Schmetterlinge zu verbinden. Wem nie einfallen würde, ein wissenschaftliches Schmetterlings-Bestimmungsbuch zur Hand zu nehmen, wird hier in die Welt der Falter eingeführt und erkennt ihre Artenvielfalt, ihre sensiblen Lebensraumansprüche und die Gefahren für diese Tierarten in einer Welt, die auf sensible Lebensraumansprüche in der Regel keine Rücksicht nimmt. Diese Zusammenhänge klar zu machen, genau darin liegt der eigentliche Wert des Buches, denn der Naturschutzaspekt lässt sich in einem persönlichen Reisebericht eingängiger darstellen als beispielsweise in einem Jahresbericht eines Umweltministeriums. Nur was man kennt und liebt, das schützt man ist eine alte Weisheit. Schmetterlinge kennen und lieben zu lernen und sich fortan für deren Schutz einzusetzen, dafür ist dieses Werk gut geeignet.

Das Buch kann also all denen empfohlen werden, die sich auf geradezu erzählerische Weise über die Welt der Schmetterlinge informieren wollen. Rückschlüsse auf die heimische Schmetterlingswelt sind ohne weiteres möglich. Will man sich einfach mal erfreuen an einem naturkundlichen Reisebericht mit Tiefgang, dann kann man getrost darüber hinwegsehen, dass die Sichtweise des Autors doch sehr speziell ausgerichtet ist und viel anderes Interessante am Wegesrand unbeachtet bleibt. S. 88 wird beispielsweise von irgendwelchen Vögeln berichtet; um welche Arten es sich gehandelt hat, ist dem auf Schmetterlinge spezialisierten Autor egal. Dass er sehr einseitig ausgerichtet ist, scheint er selber zu merken, denn er gibt (S. 75) zu, das Hobby als eine Art Gegenwelt … zu den Strapazen des Alltags zu betreiben. Na ja, denkt sich da der Leser, der gewöhnlich 14 Tage Urlaub macht, wenn man als 57-jähriger ein ganzes Jahr auf Schmetterlingsreise gehen kann und ansonsten daheim Raupen züchtet und Bücher schreibt, dann geht’s einem ja wohl nicht schlecht. Gleichwohl, das Buch ist nett geschrieben, eine Nachttischlektüre mit interessantem naturkundlichem Hintergrund, wie man so was selten findet.

Die Aufmachung des Buches lässt allerdings zu wünschen übrig, aber das ist Sache des Verlags, wohl nicht des Autors: Eingestreut in den Text auf etwa jeder zweiten Seite sind Schwarz-weiß-Abbildungen von Schmetterlingen aus aller Welt. Nicht etwa mit Bezug zum Text und unter Nennung des Artnamens, sondern einfach so als Illustration, dazuhin oft als recht kümmerliche Reproduktionen. Ein paar Arten kann man – mit Mühen – über den Abbildungsnachweis identifizieren, aber längst nicht alle. Das ist handwerklich nicht gut gemacht und eine vertane Chance: Hätte man stattdessen schöne Farbbilder eingestreut und das mit Bezug zum Text, wäre der Informations- und Unterhaltungswert des Buches deutlich zu steigern gewesen.

Reinhard Wolf