Hans-Christian Adam (Bearb.): Hans Hildenbrand. Hofphotograph und Pionier der frühen Farbfotografie.

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Hans-Christian Adam (Bearb.): Hans Hildenbrand. Hofphotograph und Pionier der frühen Farbfotografie.

Hrsg. vom Haus der Geschichte Baden- Württemberg, Stuttgart. Verlag regionalkultur Ubstadt-Weiher 2018. 295 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. Gebunden € 24,80. ISBN 978-3-95505-096-2

Titelblatt

Der 1903 von König Wilhelm II. von Württemberg zum Königlich Württembergischen Hofphotographen ernannte Johann Jacob Hildenbrand (der sich selbst aber nur Hans nannte) lebte von 1870 bis 1957 und wurde 1895 Inhaber eines fotografischen Ateliers in Stuttgart, das mit mehreren Standortwechseln bis 1944 bestand, als es samt Archiv bei der Bombardierung der Stadt zerstört wurde. Unter Nachfolgern existierte das Geschäft als Photo Hildenbrand noch bis 1997. Dass seine weitverstreuten Fotografien heute in erstaunlicher Fülle im Haus der Geschichte Baden-Württemberg in Stuttgart zusammengeführt werden konnten, ist vor allem den inzwischen dort beheimateten Sammlungen von Heinrich Moderecker sowie von Rolf H. Krauss zu danken, der bis 1991 ein Fotogeschäft in Stuttgart betrieb und als Fotohistoriker zahlreiche Publikationen vorgelegt hat, wozu noch weitere Schenker getreten sind. So verfügt das Museum heute über den größten Bestand an Fotografien von Hans Hildenbrand und kann deshalb mit einem reich bebilderten Band an diesen Pionier der frühen Farbfotografie erinnern.

Außer dem Vorwort des Direktors des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg enthält der Band zehn Beiträge, die sich unter vielfachen Wiederholungen im Detail der Biographie und dem Werk des Fotografen Hildenbrand widmen (letztere beide behandeln die Beiträge von Hans Christian Adam und Winfried Mönch). Breit aufgefächert wird die Technik des von Hildenbrand eingesetzten Autochromverfahrens, das 1903 von den Gebrüdern Lumière erfunden worden war. Damit befassen sich die Beiträge von Dorothea Peters über Hildenbrand und andere. Aus der Frühzeit der Farbfotografie und des Farbdrucks (S. 106-137) sowie der höchst technisch angelegte von Marjen Schmidt und D. Peters über Das Autochromverfahren (S. 138-151) mit weit ausholenden Informationen über die physikalisch-physiologischen Grundlagen, die Farbempfindlichkeit des fotografischen Materials, die Herstellung der Autochromplatten, Belichtung und Bearbeitung sowie die zeitgenössische Rezeption, während zuvor bereits Dieter Lorenz in Die Farbphotographische Gesellschaft und der ChromoplastVerlag (S. 95-105) die Technik der Autochrome- Stereodiapositive von Christian Rumm und deren Vermarktung vorgestellt hatte. Einer der beiden Artikel von Rolf H. Krauss präsentiert uns Die Akte des Hans Hildenbrand (S. 58-79), die in zahlreiche zeitgenössische Bildbände (etwa Die Körperschönheit des Weibes) Eingang fanden. Der andere behandelt Hans Hildenbrand[s] Autochrome und das National Geographic Magazine (S. 80-93) mit einer Liste seiner Beiträge im NGM von 1926 bis 1938 (S. 92-93), die nicht zuletzt das Bild der Amerikaner von Europa prägten, darunter auch Fotos vom ›Märchenland› Deutschland.

Kein eigener Beitrag ist den Autochromen Hildenbrands gewidmet, die er als Kriegsfotograf im Ersten Weltkrieg machte; man muss mit einem Abschnitt (S. 49-53) innerhalb des Beitrags von Winfried Mönch fürlieb nehmen, obwohl doch gerade diese Fotografien in den letzten Jahren in mehreren Publikationen den weitgehend vergessenen Namen Hildenbrands in Erinnerung gerufen hatten. Stefan Kirchberger, Sammlungsdokumentar im Haus der Geschichte Baden-Württemberg berichtet über Die Sammlung Moderecker/Hildenbrand (S. 152-167). Es folgen noch zwei reine Bildstrecken über die Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus dem Schaffen des Hofphotographen (S. 168-185) sowie über Das farbige Erbe des Hans Hildenbrand (S. 186-247). Der Anhang enthält u.a. eine Zeittafel (S. 250-254) von Winfried Mönch, die unpraktischerweise als Endnoten gesetzten Anmerkungen (S. 256-271) zu den Beiträgen, ein Verzeichnis der Literatur (S. 272-283), das Sekundärliteratur und Quellen mischt sowie Informationen zu den Autoren (S. 284-285). Es folgen ein Ortsregister (S. 286-289), in dem Eintragungen unter Stuttgart am zahlreichsten sind, sowie ein Personenregister (S. 289-294). Ein Sachregister fehlt.

Klaus Schreiber

(Zuerst erschienen in: Informationsmittel (IFB): digitales Rezensionsorgan für Bibliothek und Wissenschaft)