Machtdemonstration in Weiss Exkursion zur Heuneburg

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Machtdemonstration in Weiss Exkursion zur Heuneburg

Menschen auf dem Weg zu einer Burg

Blick zur Befestigungsmauer über das im Dunst liegende Donautal. Im Strohhut ist Landesarchäologe Professor Krausse erkannbar (Foto: Fritz Deppert)

Ein voll belegter Bus brachte am 11. September 2019 die Nürtinger und Kirchheimer Regionalgruppen zum Keltischen Fürstensitz in der Heuneburg und seinem Umfeld. Bereits bei der Anreise leuchtete weithin sichtbar die weiß gekalkte und stückweise restaurierte Stadtmauer der Heuneburg. Im Gelände der Heuneburg – es handelt sich dabei wohl um die Stadt Pyrene, die in der Antike der griechische Geschichtsschreiber Herodot beschreibt – führt Landesarchäologe Professor Dirk Krausse. Die kundigen und spannenden Erklärungen machten die Exkursion zum Erlebnis. Die große Einwohnerzahl von ca. 5000 Menschen und die vernetzten Handelsbeziehungen erhoben diese Stadt um ca. 500–v.Chr. zu einer Großstadt in der damaligen Antiken Welt. Die umliegenden Nekropolen, Höhenburgen und Siedlungsplätze wiesen Pyrene als Machtzentrum aus.

Menschen hören einem Professor zu

Dr. Tarpini (re., mit Bart) erläutert ein LIDAR-Scan der Alten Burg. Prof. Beck fungiert als Kartenständer (Foto: Erwin Beck).

Nach einem Mittagsessen im Kloster Heiligental wurde der geheimnisvolle Ort der Alten Burg nur wenigen Kilometer von der Heuneburg entfernt auf einem Ausläufer der Alb aufgesucht. Es führte Dr. Tarpini, der auf dem Hochplateau die Grabungen leitet. Der Ort ist voller Rätsel. Die Alte Burg liegt auf einem Bergsprorn und ist durch einen tiefen Graben und eine ehemals gigantische Mauer von ca. 13–m Breite und über 10–m Höhe vom Albhinterland abgetrennt. Das 300–m lange und ca. 70–m breite Terrain wurde von den Kelten in einem gewaltigen Kraftakt planiert und die Ränder des Plateaus einerseits senkrecht abgetragen und andererseits aufgefüllt. Es entstand somit durch Abholzung und den leuchtenden Weißen Jura eine weit ins Alpenvorland sichtbare Anlage.

Befestigungswälle und Mauern umziehen den gesamten Bergsporn und sichern ihn talseitig ab. In seiner Monumentalität ist dieser Platz fast unbegreiflich. Über seine Nutzung besteht noch keine abschließende wissenschaftliche Erklärung. Noch kann spekuliert werden: war es ein Kultplatz, ein sporadisch aufgesuchtes zentrales Heiligtum oder gar eine Sportarena, in der nach griechischem Vorbild Pferderennen veranstaltet wurden? Vielleicht ist dieser Platz aufgrund seiner geringen Nutzungsspuren – mit dem Machtverlust der Heuneburg einhergehend – nicht mehr intensiv genutzt worden.