Presseschau Historische Dorfanalyse Heudorf 2003

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Presseschau Historische Dorfanalyse Heudorf 2003

Die regionale Presse würdigte ausführlich die Arbeit der Projektgruppe sowie die Tagung im Dorfgemeinschaftshaus.

Auf dieser Seite haben wir zwei Berichte dargestellt - aus der "Schwäbischen Zeitung" sowie aus dem "Wochenblatt Riedlingen".

Bürger erforschen ihre Geschichte

[Schwäbische Zeitung, Ausgabe Riedlingen, Dienstag, 1. Juli 2003]

HEUDORF - In einem landesweit einmaligen Modellprojekt haben Bürger von Heudorf drei Jahre lang mit wissenschaftlicher Begleitung intensiv die Geschichte ihres Dorfes und seiner Gebäude erforscht. Der Schwäbische Heimatbund, die Akademie Ländlicher Raum Baden-Württemberg und die Gemeinde finanzierten das Vorhaben, das jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.
(von unserem Redakteur Karl Werner Steim)

Die Tagung "Historische Dorfanalyse Perspektiven für die Entwicklung im ländlichen Raum" im Dorfgemeinschaftshaus in Heudorf war sehr gut besucht. Dr. Bernd Langner stellte Projektverlauf, Ergebnis und Ausblick der historischen Dorfanalyse vor.

In seinem Vortrag "Perspektiven der historischen Dorfanalyse aus kommunaler Sicht“ erläuterte Bau- und Kulturbürgermeister Dipl.-Ing. Georg Zimmer aus Leutkirch die Dorfentwicklungsprogramme und betonte, historische Dorfanalysen müssten eingebettet sein in den regionalen geschichtlichen Kontext. Dipl.-Geograph Wolfgang Thiem vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg zeigte die Perspektiven der historischen Dorfanalyse für die Entwicklung im ländlichen Raum auf, wobei er besonders auf Erfahrungen in Bayern verwies.

Leitender Regierungsdirektor a.D. Hansjürgen Stiller, der sich beim Regierungspräsidium Tübingen lange Jahre mit dem ländlichen Raum befasst hatte, würdigte vor allem das bürgerschaftliche Engagement. Er verwies darauf, dass im Verdichtungsraum 65 Prozent der Einwohner leben - auf 30 Prozent der Landesfläche. Der ländliche Raum stellt nur 35 Prozent der Bevölkerung, allerdings auf 70 Prozent der Fläche.

Die Hobbyhistoriker in Heudorf erforschten anhand zahlreicher historischer Quellen die über Jahrhunderte gewachsene Identität von Heudorf, um diese Erkenntnisse dann gezielt in die bauliche und strukturelle Entwicklung des Dorfs einfließen zu lassen. Einen großen Teil der Arbeit der Projektgruppe und des 235 Seiten umfassenden Berichts nehmen die Hofgeschichten ein, in denen die Historie der Heudorfer Bauernhöfe und ihrer Bewohner detailliert aufgeführt ist. Es wurde eine umfangreiche Datenbank mit der Entwicklungsgeschichte der Höfe angelegt. Ob es gelingt, den Charakter von Heudorf trotz aller notwendige Veränderungen zu bewahren, wird die Zukunft zeigen. Die Projektgruppe erhofft sich, dass die Gemeinde bei zukünftigen Entscheidungen zur Dorfentwicklung die Ergebnisse der Dorfanalyse berücksichtigt. Schließlich soll das gesammelte Material noch ergänzt werden und in wenigen Jahren zu einem Heimatbuch führen. Bei der Vorstellung des Abschlussberichts bedankte sich Bürgermeister Wolfgang Wörner mit Geschenken bei den Mitwirkenden.

Nach Analyse Heimatbuch

[Wochenblatt Riedlingen, Donnerstag, 3. Juli 2003]

Zwei Frauen und sechs Männer haben sich in ihrer Freizeit in die Dorfgeschichte von Heudorf vertieft. Ihr Ziel ist die Herausgabe eines Heimatbuches.
(von Waltraud Wolf)

Dürmentingen ist ob seines bürgerschaftlichen Engagements bekannt. Jetzt machen Menschen aus dem Teilort Heudorf von sich reden und solche, die irgendwie mit dem Ort und seinen Menschen verbunden sind. Anita Eisele und Marlies Fisel, Hans-Jürgen Jäger. Fridolin Mayer, Dietmar Seifert, Erwin Hölz und Hans-Peter Hauler Sowie als Senior Sebastian Abhalter waren mehr als drei Jahre lang damit beschäftigt, die Geschichte ihres Dorfes und seiner Menschen zu ergründen. Wissenschaftlich begleitet wurden sie dabei von Dr. Bernd Langner vom Schwäbischen Heimatbund. Außerdem hatten an Durchführung und Finanzierung des landesweit einmaligen Modellprojektes noch die Akademie Ländlicher Raum Baden-Württemberg und die Gemeinde Dürmentingen selber teil. Sie trug denn auch die Hälfte der Kosten von 10.000 Euro.

Für die Heimatforscher aber ist die Arbeit nicht zu Ende, auch wenn jetzt ein Dokument mit 235 Seiten Umfang vorliegt. Es beschreibt die Grundzüge der Siedlungs- Wirtschafts- und Herrschaftsgeschichte, wie die baulichen Besonderheiten in Heudorf und vergleicht die historische Dorfstruktur mit der heutigen Gliederung.

Manche Frage ist erst nach den Recherchen aufgetaucht. Warum häuft sich in Heudorf die Hofform, die ansonsten für die Region untypisch ist, nämlich die Trennung von Haupthaus und Ökonomie? Dazu gibt es bislang nur Spekulationen.

Viele Gespräche mit den Bewohnern hat die Projektgruppe geführt. Die meisten gaben bereitwillig Auskunft. Sogar bis nach Amerika wurden Fäden geknüpft oder das Bild des Tiroler Hofes bei einer Verwandten im Bodenseeraum entdeckt. Ein Maler namens Alois Rieger hat offenbar in den zwanziger Jahren viele der Heudorfer Höfe zu Papier gebracht.

Dank seiner Erfahrungen bei dem Studium alter Akten und Urkunden wurde Hans-Peter Hauler zur Mitarbeit gebeten, dessen Mutter aus Heudorf stammt, der selber aber in Riedlingen lebt. Denn allein schon die Schriften entziffern, war eine Kunst für sich, Quellen bis zurück ins 17. Jahrhundert wurden ausgeschöpft.

Weitere Arbeit nötig

Gerade die Beschäftigung von Bürgern mit der eigenen Geschichte ist der Unterschied zu früheren Ortsanalysen, wird betont und auch, dass es noch umfangreicher Arbeit bedarf, bis das nächste Ziel erreicht ist: die Herausgabe eines Heimatbuches. Und so werden sich zu den bislang schon mehr als 4000 ehrenamtlich geleisteten Stunden noch viele weitere hinzufügen.