Jubiläumsfest 2009 in Sindelfingen
Mit einem heiteren Familienfest feierte der Schwäbische Heimatbund am 11. Juli in Sindelfingen sein 100-Jahre-Jubiläum: harmonische Hauptversammlung – glückliche Gustav-Schwab-Preisträger – vielseitige Schwabenkost für kulturbeflissene und kulinarische Feinschmecker – fetzige Musik – ein exzellenter »Entaklemmer« und gutgelaunte Gästescharen.
Elegant wirbelt der Jongleur Stefan Barth signalrote Keulen durch die Morgenluft. Ein paar Schritte weiter zupfen die Zwerg-Zebus vom Dörzbacher Birkenhof Wunderlich prüfend am Sindelfinger Stadtgras. Die drei Schwarznasenschafe aus Grafenau in der benachbarten Koppel rupfen schon beherzter am Wiesenwuchs. Sie sind offenkundig zufrieden mit dem Angebot ihrer Miniatur- Weide. Heiter verspielt und beschaulich beginnt bei der Sindelfinger Stadthalle das große Familienfest, mit dem die Mitglieder des Schwäbischen Heimatbunds einen sommerlichen Juli-Samstag lang das 100-Jahre-Jubiläum ihres traditionsreichen Vereins feiern. Und so vergnüglich, wie die Jubel-Festivität an diesem Vormittag im und beim Stadthallen-Foyer ihren Anfang nimmt, so stimmungsvollabwechslungsreich wird sich das pralle Programm einen sonnenbeschienenen Festtag lang entfalten. Vereins- Vorsitzender Fritz-Eberhard Griesinger darf sich mit Vorstandsteam und engagierten Mitgliedern über eine harmonische Jahreshauptversammlung freuen, der schwäbische Marktplatz für Haus- und Hofgemachtes wird ebenso rege frequentiert wie der Hallen-Parcour mit liebevoll gestalteten Informationsstationen für Landestypisches. Die 366ste und unweigerlich letzte Vorstellung des Trollschen Entaklemmer, mit der die Theaterleut' vom Melchinger Lindenhof dieses Erfolgsstück bravourös aus dem Repertoire verabschieden, wird begeistert bejubelt, derweil sich im gastlichen Festzelt die Stimmung volksmusikalisch manifestiert. Und mit der temperamentvoll musizierenden Brenz Band klingt das Jubiläumsfest des Schwäbischen Heimatbunds am Abend unbeschwert und fröhlich aus.
Um punkt zehn Uhr am Vormittag des Festtags versammelten sich die Mitglieder des Schwäbischen Heimatbunds im Kleinen Saal der Sindelfinger Stadthalle zu ihrer Jahreshauptversammlung. Von einem gutgelaunten Vorsitzenden Fritz- Eberhard Griesinger wurden die Aktiven des Vereins erwartungsfroh begrüßt, Sindelfingens Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer und Stadthallen-Hausherr Uwe Dieterich hießen die Gäste in der traditionsreichen Stadt im Herzen Württembergs herzlich willkommen. Die von keinerlei Widerspruch geschmälerte Zufriedenheit der versammelten Mitglieder mit der Arbeit und dem Führungsstil der Vorstandschaft offenbarte sich nicht zuletzt auch bei den Wahlen: Einmütig wurde das erfolgreiche Führungsteam des Vereins in seinen Ämtern bestätigt.
Zum ersten Mal wurde im Rahmen der Sindelfinger Mitgliederversammlung der im Jubiläumsjahr neu gestiftete Gustav-Schwab-Preis für herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der Geschichte, Literatur, Landeskunde, Naturkunde und Landschaftspflege des schwäbischen Raums vergeben. Mit der Historikerin Dr. Johanna Regnath und ihrem Fachkollegen Dr. Daniel Kirn konnte Fritz-Eberhard Griesinger zur Premiere des Preises zwei Maßstäbe setzende Preisträger auszeichnen. Premiere hatte bei der Mitgliederversammlung auch die vom Schwäbischen Heimatbund zum Vereinsjubiläum initiierte Buchreihe zur Landesgeschichte. Freudig nahm der Autor des ersten Bandes dieser Bibliothek Schwäbischer Geschichte, Professor Hansmartin Schwarzmaier, aus den Händen von Fritz-Eberhard Griesinger ein druckfrisches Exemplar seines im DRW-Verlag Weinbrenner erschienenen Werks Die Welt der Staufer – Wegstationen einer schwäbischen Königsdynastie entgegen.
Stand der Holzmanufaktur Rottweil; Klaus Philippscheck, Regionalgruppe Böblingen-Sindelfingen; Jörg Neubert und Kollegen, Volkstanzgruppe Frommern; der Vorstand: Fritz-Eberhard Griesinger, Gerhard Fink, Dr. Walter Kilian, Jutta Lück, Reinhard Wolf, Prof. Dr. Wilfried Setzler, Gerhard Obergfell; Informationen zum Großprojekt im Pfrunger-Burgweiler Ried, Projektleiter Bernd Reißmüller; Reiseleiter Wolfgang Urban führt ins Elsass; Martina Blaschka, Leitstelle Kleindenkmale, und Dr. Walter Kilian; Nellys Puppentheater zeigt «Die kleine Raupe Nimmersatt»; Happy Faces Schminkteam, Jutta Ulrich-Kapfer; Brenz Band im Festzelt; Stelzenmann Stefan Barth und Mitarbeiterin Beate Fries
Volksmusikalische Weisen der stilvollen Tonart empfingen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Hauptversammlung nach ihrem Jahrestreffen dann im Foyer der Stadthalle. Mit authentischen Liedern und Tänzen aus Schwaben bezauberte die Volkstanzmusik Frommern. Sackpfeifen, Schalmeien, Geigen, Flöten, Harmonika, Klarinette, Kontrabass und Gitarre gehören zum Instrumentarium dieser sympathischen Spielschar, deren unprätentiöse Kunst auch die ideale Begleitmusik war beim gemütlichen Flanieren über den Marktplatz Schwaben mit seinem vielfältigen Angebot an Informativem und Kulinarischem.
Was die Sonne über Schwaben in den Weinbergen an Bekömmlichem reifen lässt, war am Marktstand der Württembergischen Weingärtner-Zentralgenossenschaft zu verkosten, die Holzmanufaktur Rottweil ließ an ihrer Kompetenz beim Restaurieren historischer Bauwerke teilhaben und prickelnde Schaum- und Perlweine, doch auch Hochprozentiges aus Löwenzahn und Blutwurzel offerierte die Dettinger Rosstriebkellerei. Was an Schmackhaftem im Mähringer Eduard- Lucas-Mustergarten wächst, kredenzte Christine Falkenberg, Claudia und Uwe Schittenhelm machten mit Schinkenhäppchen und Mühlenfeuer Lust auf den Besuch der Mönchhof-Sägemühle bei Vesperweiler und Petra Jaumann aus Ingelfingen auf eine Einkehr im dortigen Senftenschlösschen. Sie warb außerdem um Aufmerksamkeit für eine Initiative Künzelsauer Denkmalschützer, die sich für die Rettung historischer Häuser stark macht.
Das Angebot für Wissensdurstige und Informationshungrige bereicherten die Aktiven des Esslinger Projekts Kleindenkmale. Das gleichfalls in der ehemaligen Reichsstadt am Neckar heimische Landesamt für Denkmalpflege gab mit einer Ausstellung Einblick in seine Arbeit. Vor allem auf die Schönheiten des Heckengäu machten an ihrem Marktstand die Aktiven des Landesprojekts Plenum aufmerksam. Mit welch vielfältigen Aktionen sich die Mitglieder des Landesnaturschutzverbands Baden-Württemberg um den Schutz der Heimat verdient machen, illustrierte die instruktive Ausstellung dieser Organisation. Sein Verlagsprogramm stellte der DRW-Verlag Weinbrenner vor, und Schnäppchenjäger mit landeskundlichen Vorlieben wurden beim üppig bestückten Büchermarkt auf der Hallen-Empore mühelos fündig.
Seine Initiativen und Aktivitäten zum Denkmal- und Naturschutz präsentierte natürlich auch der Gastgeber- Verein, und die Heimatbund-Reiseleiter Dr. Raimund Waibel, Wolfgang Urban und deren Kollegin Dagmar Waizenegger stellten drei besonders attraktive Angebote aus dem aktuellen Reiseprogramm des Vereins vor. Lust auf die Erkundung fremder Gefilde machte passend dazu eine fein arrangierte Ausstellung von Zeichnungen, die Jakob Schwenk aus Kirchheim/ Teck bei seinen zahlreichen Reisen mit dem Schwäbischen Heimatbund geglückt sind.
Zu den nahen Sindelfinger Attraktionen führten die spazierfreudigen unter den kulturhistorisch interessierten Festgästen Horst Zecha und Matthias Mörk als kompetente Kenner der Lokalgeschichte. Die Kirche St. Martin und deren einstiger Stiftsbezirk, die der Festhalle benachbarte Gartenstadt von Paul Schmitthenner und Schauplätze der Hexenverfolgung in Sindelfingen waren Ziel der Streifzüge in die Vergangenheit der traditionsreichen Stadt.
Um schwäbische Identität und um die Facetten des Begriffs volkstümlich ging’s am Nachmittag bei den vom Journalisten Wolfram Frommlet engagiert moderierten Heimatgesprächen im Hallen-Foyer. Der Heimatbund- Vizevorsitzende Prof. Wilfried Setzler berichtete von der auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg weithin ungebrochenen Begeisterung für musikalische und poetische Heimattümelei und verwies auf die daneben gleichwohl existierende andere Tradition der Heimatliteratur, für die er beispielhaft Hermann Hesse und Sebastian Blau nannte. Dass für ihn der Begriff Volksmusik keineswegs negativ belegt sei, versicherte Jörg Neubert von der Volkstanzmusik Frommern, der sich als ein volksmusikalisch Aktiver vom Jahrgang 1974 nicht von Erblasten bedrückt sieht, sondern allenfalls zwischen Festzeltmusik und authentischer Volksmusik unterscheidet.
Onser Saft nennt sich der Verein, der sich in und um Erkenbrechtsweiler um die Förderung von Streuobstwiesen kümmert, und gutgelaunt servierten die Apfelkulturspezialisten nicht weit vom Festzelt Flüssiges und Schmalzgebackenes. Im Innern des geräumigen Festzelts, in dem zunächst die Bigband des Böblinger Albert-Einstein-Gymnasiums die Gäste unterhalten hatte, musizierte inzwischen die Sindelfinger Stadtkapelle und begleitete die Willkommensgrüße des Heimatbund-Vorsitzenden Fritz-Eberhard Griesinger an die Besucher des Jubiläumsfests. Griesinger dankte dabei auch den großzügigen Fest-Sponsoren (Kaffee-Manufaktur Hochland, Bad Liebenzeller Mineralbrunnen, Stuttgarter Hofbräu, Württembergische Weingärtner- Zentralgenossenschaft, dem Landkreis Böblingen, Firma Schöttle, Werbegemeinschaft Württemberger Weingärtnergenossenschaft) und ebenso herzlich dem umsichtig agierenden Bewirtungsteam von der Sindelfinger Feuerwehr.
Reiseleiter Dr. Raimund Waibel informiert über die Hochprovence; Tobias Schwägerle am Stand von Druckpunkt Tübingen, Hersteller der «Schwäbischen Heimat»; Schnappschuss aus dem Festzelt; die Leiterin des Naturschutzzentrums Pia Wilhelm; Information über den Heimatbund allerorten; unsere Ausstellung «Kulturlandschaft des Jahres»; Landrat Roland Bernhard und Vorsitzender Fritz-Eberhard Griesinger; Prof. Michael Goer, Landesdenkmalamt, und Begleiterinnen am Stand der Kleindenkmalerfassung; unser Bücher-«Floh»- Markt; Mitarbeiterin Astrid Weinaug und Claudia Heruday erholen sich bei den Zebu-Rindern; Moderator Wolfgang Frommlet, Jörg Neubert, Prof. Wilfried Setzler beim «Heimatgespräch».
Der Böblinger Landrat Roland Bernhard erklomm die Festzeltbühne, um dem Heimatbund-Vorsitzenden und mit ihm allen im Heimatbund engagierten Landsleuten zum Jubiläum für deren tolle und gute Arbeit zu gratulieren, bevor er Griesinger mit einem Spendenscheck überraschte. Um den Bescherten aber vor einer weiteren Überraschung zu bewahren, merkte Bernhard bei der Scheckübergabe geflissentlich an, das Geldgeschenk repräsentiere nur einen Bruchteil der wahren Anerkennung, die der gastgebende Landkreis dem Jubelverein zolle. Der launigen Einladung Fritz-Eberhard Griesingers an den Böblinger Landrat, die Arbeit des Heimatbunds künftig auch durch seine persönliche Mitgliedschaft zu unterstützen, kam Bernhard ohne Zögern nach und unterzeichnete an Ort und Stelle sein Beitrittsformular. Womit Fritz-Eberhard Griesinger seinen inzwischen legendären Ruf als Koryphäe der Mitgliederwerbung weiter festigen konnte.
Ums Geld und dessen besonders für Schwaben unwiderstehliche Faszinationskraft geht’s auch in der schwäbischen Version von Molières Komödie L’Avare (Der Geizige) von Thaddäus Troll, die vom Ensemble des Theaters Lindenhof beim Heimatbund-Jubiläumsfest zum 366. und damit zum endgültig letzten Mal gespielt wurde. In der Paraderolle des Entaklemmer Karl Knaupp brillierte bei der Abschiedsvorstellung Regionaltheater-Intendant Bernhard Hurm als Zentralfigur eines nicht minder spielfreudigen und überzeugenden Ensembles. So durften die zahlreich im Großen Saal der Sindelfinger Stadthalle versammelten Festgäste eine fulminante Aufführung genießen und die Schauspielerinnen und Schauspieler mit herzhaftem Beifall über den Trennungsschmerz beim Abschied von einem Erfolgsstück hinwegtrösten.
Theater aber gab’s unter freiem Sommerhimmel an diesem Nachmittag auch für die kleinen Festgäste. Der Star von Nellys Puppentheater war Die kleine Raupe Nimmersatt, und als weitere Attraktionen des Kinderprogramms verwandelte Jutta Ulbrich-Kapfer an ihrem Schminktisch die jüngsten Festgäste in bezaubernde Phantasiewesen, während Stefan Barth als Stelzenakrobat aus Luftballonwürsten unermüdlich aparte Kleinkunstwerke formte. Im Ökomobil des Regierungspräsidiums Stuttgart durften Nachwuchs-Naturfreunde ihrer Experimentierfreude frönen.
Begeistert haben sich nicht nur die jüngsten Festgäste für die kuscheligen Produkte aus Schafwolle, die Petra Herb von der gleichnamigen Bad Überkinger Schäferei präsentierte, und über die Mühen und Freuden der Schafhaltung informierte Erwin Württemberg aus Ellhofen. Die perfekt gedrechselten Kugeln aus dem Holz heimischer Wälder am Stand von Gisela Wurster aus Pfullingen faszinierten ebenfalls Marktbummler jeglichen Alters.
Zum grandiosen Finale des Heimatbund- Fests gaben am späteren Nachmittag und nach dem Auftritt der Musikkapelle Maichingen die behinderten und nichtbehinderten Musikantinnen und Musikanten der Brenz Band im Festzelt ein furioses Konzert, das die bestens gelaunte Festfamilie nicht nur zu Beifallsstürmen, sondern auch zum fröhlichen Mitsingen und Mitklatschen hinriss. Auch von diesem Beifall durften die stets umsichtigen Festhelferinnen und Festhelfer vom Vorstands- und Geschäftsführungsteam des Schwäbischen Heimatbunds einen erklecklichen Anteil auf ihr Verdienstkonto gutschreiben.
Helmut Engisch
Gisela Wurster und ihre Holzkugeln, Schalen, Bretter und Holzspielzeug aus heimischen Hölzern; Geschäftsführer Dr. Siegfried Roth und Uwe Schittenhelm von der Mönchhof-Sägemühle; Mitarbeiterin Gabriele Tesmer und Renate Trieselmann am Reisestand ; die Brenz Band zieht von der Stadthalle ins Festzelt; Theater Lindenhof: «Der Entaklemmer»; die Zebu-Rinder vom Birkenhof Wunderlich; Jongleur Stefino: Stefan Barth; Volkstanzgruppe Frommern; der «Marktplatz Schwaben» im Foyer der Stadthalle; Köstlichkeiten aus dem «Eberhard- Lucas-Mustergarten» in Kusterdingen- Mähringen, rechts Dr. Bernd Langner, unser Internet-Beauftragter; auf zur Führung in der Sindelfinger Altstadt!
