Gustav-Schwab-Preis 2009 erstmals verliehen

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Gustav-Schwab-Preis 2009 erstmals verliehen

Dr. R. Johanna Regnath aus Tübingen und Dr. Daniel Kirn aus Stuttgart sind die ersten Preisträger des Gustav-Schwab-Preises. Mit der neu gestifteten Auszeichnung prämiert der Schwäbische Heimatbund Nachwuchsforscher für herausragende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Geschichte, der Literatur und der Landeskunde des schwäbischen Raumes.

fünf Personen auf einer Bühne

Von links: Prof. Dr. Franz Quarthal, Dr. Daniel Kirn, Dr. R. Johanna Regnath, Jutta Lück, die die Preissumme gestiftet hat, und Fritz-Eberhard Griesinger.

Gestiftet wurde der mit insgesamt 3.000 Euro dotierte Preis aus Anlass des 100jährigen Vereinsjubiläums des Schwäbischen Heimatbundes. Wir wollen damit die wissenschaftliche Arbeit zu den historischen Grundlagen unserer Region anregen und fördern aber auch einen Contrapunkt zu den aktuell diskutierten Mittelkürzungen und Stellenstreichungen an den Universitäten in diesem Bereich setzen, sagte Fritz-Eberhard Griesinger, Vorsitzender des Schwäbischen Heimatbundes, bei der Vorstellung der beiden Preisträger auf der Mitgliederversammlung des Vereins in Sindelfingen.

Die Jury unter Vorsitz von Prof. Dr. Franz Quarthal vom Historischen Institut, Abteilung Landesgeschichte der Universität Stuttgart, prämierte zu gleichen Teilen die Arbeiten von Dr. R. Johanna Regnath Das Schwein im Wald. Vormoderne Schweinehaltung zwischen Herrschaftsstrukturen, ständischer Ordnung und Subsistenzökonomie und die Arbeit von Dr. Daniel Kirn über das Soldatenleben in Württemberg 1871-1914. Zur Sozialgeschichte des deutschen Militärs. Beiden Preisträgern bescheinigten die Juroren einen ideenreichen und innovativen Ansatz und wissenschaftliche Ergebnisse, die weit über das eigentliche Forschungsgebiet hinaus zum Verständnis der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte im Südwesten beitragen. Zudem biete die gründliche Bearbeitung der Themen neue Forschungsansätze.

Dr. R. Johanna Regnath (41), wissenschaftliche Autorin und Geschäftsführerin des Alemannischen Instituts in Freiburg, hat mit ihrer 2008 in Buchform erschienenen Dissertation wissenschaftliches Neuland betreten. Im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit trieben Hirten die Schweine in großen Herden in die Wälder. Diese Mast im Wald war durch vielfältige Bestimmungen geregelt. Die vorliegende Studie zeigt vor allem an Beispielen aus Südwestdeutschland, wie sich anhand der Schweinemast grundlegende historische Prozessen auf den Alltag der Menschen ausgewirkt haben. Dazu gehört die Entstehung der Landesherrschaften und der Kampf um die Nutzung des Waldes zwischen Bauern und Herrschaft genauso wie sich wandelnde Vorstellungen von der gerechten Verteilung der Güter und Strategien der bäuerlichen Landbevölkerung zur Risikominimierung und Diversifizierung.

Auch Dr. Daniel Kirn (30), bis vor kurzem wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Institut der Universität Stuttgart und heute Lektor und Lehrbeauftragter, hatte mit einer schwierigen Quellenlage zu kämpfen. Für seine 2009 erschienene Darstellung des Lebens der gemeinen Soldaten in Württemberg während der Friedensjahre von 1871 bis 1914 gibt es keine Parallelen. Auch andere Quellen, etwa des preußischen Militärs, sind kriegsbedingt verlorengegangen. Auf der Grundlage zahlreicher neuer, bislang nicht beachteter Akten zeichnet er ein neu konturiertes Bild, das auch die bisherigen Vorstellungen über das deutsche Militär im Kaiserreich grundlegend verändern kann. Es sei eine besondere Leistung der Studie, so die Jury, dass sie nicht bei landesgeschichtlichen Resultaten verharrt, sondern von dort aus einen Anschluss an übergreifende Fragestellungen sucht, die für das politische Verständnis im deutschen Nationalstaat von ausschlaggebender Bedeutung sind.