Herbsttouren mit SHB und VVS: Württembergs Aufbruch in die Moderne

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Herbsttouren mit SHB und VVS: Württembergs Aufbruch in die Moderne

Zwischen dem 28.9. und 19.10.2018 führen vier Tagestouren des SHB in Zusammenarbeit mit dem VVS zu kunst- und kulturhistorischen Schätzen sowie geschichtsträchtigen Orten in der Landeshauptstadt und ihrer Umgebung. Die Führungen sind in bewährter Weise vom SHB organisiert, der VVS stellt allen Teilnehmern für die umweltfreundliche An- und Abreise ein Netz-Tagesticket zur Verfügung. Erkunden Sie mit ausgewiesenen Fachleuten verborgene Kulturschätze einer spannenden Metropole und eines ebenso aufregenden Landes.

Prospekttitel

Der Herbsttouren-Prospekt als pdf zum Herunterladen

Was hat ein Vulkanausbruch mit dem Stuttgarter Volksfest zu tun?

Im April 1815 brach auf der indonesischen Insel Sumbawa der Vulkan Tambora mit verheerender Kraft aus. Die monatelang um die Welt ziehende Wolke aus Vulkanasche führte in weiten Teilen der Welt zu einer Hungersnot. Auch in Württemberg herrschten das ganze Jahr 1816 große Kälte und regnerisches Wetter, das Getreide wurde nicht reif, Schafe erfroren im Sommer. Menschen starben an den Folgen der Mangelernährung.

Aus der Krise zur Moderne

Bei aller Not waren diese Ereignisse aber auch Anlass zum Aufbruch Württembergs in die Moderne. Denn das Wetter war nicht allein schuld. Strukturprobleme in Württembergs Wirtschaft und vor allem in der Landwirtschaft hatten die Krise zur Katastrophe geraten lassen. Der junge König Wilhelm I. nahm ab 1817/18 wirtschaftliche und soziale Maßnahmen in Angriff. 1818 stiftete er das mit einem Volksfest verbundene Landwirtschaftliche Hauptfest auf dem Cannstatter Wasen als Leistungsschau mit Prämienund Medaillenverleihung. Im selben Jahr wurde die landwirtschaftliche Hochschule in Hohenheim gegründet, und im Jahr zuvor hatte Königin Katharina 1817 die Errichtung erster öffentlicher Sparkassen initiiert, damit ärmere Bevölkerungsteile erstmals gesichert kleine Notgroschen ansparen konnten. Es folgten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, die Förderung eines ersten industriellen Aufbruchs und später des Eisenbahnbaus. Württemberg kam in der Moderne an. Erfahren Sie mehr und entdecken Sie mit dem Schwäbischen Heimatbund und dem VVS die Spuren dieses epochalen Wandels.

Vor Ort unterwegs mit dem Schwäbischen Heimatbund

Der VVS freut sich, mit dem Schwäbischen Heimatbund einen ausgewiesen kompetenten Partner in Sachen Geschichte und Landeskunde zu haben. Ob Landesgeschichte und Landeskunde, Denkmalpflege oder Naturschutz, seit mehr als 100 Jahren setzt sich der SHB engagiert mit dem Thema „Heimat“ auseinander und tritt aktiv für die Erforschung und Erhaltung der schwäbischen Heimat ein.

Entdecken Sie mit VVS und SHB den Aufbruch Württembergs in die Moderne zu einem günstigen Paulschalpreis inkl. VVS-Ticket. Die fachkundigen Kenner des SHB lassen Sie in vier Tagestouren Württembergs Aufbruch in die Moderne erleben und erfahren.

Die ausführliche Beschreibung dieser Touren finden Sie im Herbsttouren-Prospekt, den wir Ihnen gerne zuschicken (Tel. 0711-239 42 11 bzw. E-Mail reisen@schwaebischer-heimatbund.de) oder den Sie als pdf-Datei hier herunterladen können.

Tour 1: Ein Vulkanausbruch in Indonesien und seine Folgen

Die Universität Hohenheim und das Cannstatter Volksfest

Freitag, 28. September 2018 | Exklusive Tagestour mit Kennern der landwirtschaftlichen Reformen im Königreich Württemberg

35 € pro Person inkl. Führungen, Eintrittsgelder und VVS-Ticket. Mittags Einkehrmöglichkeit.

Treffpunkt/Start: 9 Uhr, Haltestelle „Plieningen“.

Hinfahrt: mit U6 um 8:27 Uhr ab Hauptbahnhof (Arnulf-Klett- Platz) bis Möhringen, Umstieg in U3, ab 8:51 Uhr, bis Plieningen. Ende gegen 18 Uhr auf dem Schlossplatz.

Die Höhepunkte:

Die landesweite Hungersnot 1816/17 war der tragische Initialfunke für Württembergs Aufbruch in eine neue Zeit. Der junge König Wilhelm I. reagierte damals mit ungewöhnlichen wirtschaftlichen und sozialen Maßnahmen, wobei der Reform der Landwirtschaft ganz besondere Bedeutung zukam. Dazu zählten 1818 die Gründung der landwirtschaftlichen „Musteranstalt“ in Hohenheim und die Stiftung des ersten Landwirtschaftlichen Hauptfests auf dem Cannstatter Wasen.

Der Vormittag der Tagestour mit Universitätsarchivar Prof. Dr. Ulrich Fellmeth ist Meilensteinen der Entwicklung und der Geschichte der Universität Hohenheim gewidmet: dem Vulkanausbruch des Tambora als auslösendem Moment der Reformen, Besuchen der berühmten Hohenheimer „Holzbibliothek“ und des renommierten Pflanzenernährungs-Instituts sowie den Leistungen der ersten in Deutschland zur ordentlichen Professorin berufenen Wissenschaftlerin Margarete von Wrangel. Grabstätten auf dem Hohenheimer Gelehrtenfriedhof erinnern an bedeutende Forscher der Hochschule.

Nachmittags informiert der wissenschaftliche Mitarbeiter Frank Emmerich im benachbarten Deutschen Landwirtschaftsmuseum über Hohenheim und die Entwicklung der Landwirtschaft im 19. Jahrhundert. Der Leiter des Museums Dr. Jürgen Weiser empfängt die Tour schließlich auf dem Stuttgarter Schlossplatz zur Besichtigung der vom Landwirtschaftsmuseum im Rahmen des „Historischen Volksfests“ eingerichteten Jubiläumsausstellung. Er führt zugleich ein in das Ambiente des historischen Fests auf dem Schlossplatz mit Kirmes-Attraktionen und Buden wie anno dazumal, Gauklern, Artisten und einem historischen Volksfestzelt.

Tour 2: Die Gäubahn und Stuttgart 21

Spurensuche mit Geheimtipp in Herrenberg

Freitag, 5. Oktober 2018 | Die Gäubahn gestern, heute, morgen: exklusive Spurensuche mit dem Eisenbahnhistoriker Uwe Siedentop

34 Euro inkl. Führungen, Eintrittsgelder und VVS-Ticket. Mittags Einkehrmöglichkeit. Festes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung erforderlich.

Treffpunkt/Start: 9 Uhr, S- und Stadtbahn-Halt „Nordbahnhof“ (unter der Bahnbrücke).

Hinfahrt: mit S6 um 8:48 Uhr ab Hauptbahnhof oder U6 um 8:50 Uhr ab Hauptbahnhof (Arnulf-Klett-Platz).
Ende gegen 18 Uhr in Herrenberg, Rückfahrt mit R7.

Die Höhepunkte:

Mit der Fertigstellung von Stuttgart 21 soll die technisch anspruchsvolle wie landschaftlich herrliche Panoramastrecke der 1879 eingeweihten Gäubahn in Stuttgart aufgelassen und abgebaut werden. Dies ist freilich höchst umstritten.

Einst machte die Gäubahn Geschichte. Nach Jahren der Planung und politischen Agitation verband endlich eine Eisenbahn den württembergischen Schwarzwald mit der Hauptstadt. Mit dem S-Bahnbau verlor die Strecke ihre Bedeutung für den Lokalverkehr, doch noch sind viele Zeugen der Gäubahngeschichte zu entdecken.

Die Tagestour mit dem Eisenbahnhistoriker Uwe Siedentop folgt der alten Gäubahn bis Herrenberg. Einst bestieg man den Zug im alten Bahnhof an der Bolzstraße, umfuhr den Pragfriedhof dicht an den Gräbern und erreichte den Nordbahnhof, von dem aus Uwe Siedentop die Teilnehmer mitnimmt auf eine kleine Wanderung zu den beeindruckenden Beton-Stelzen- und Überbrückungsbauwerken der Gäubahn – noch heute ein Wunderwerk der Ingenieurskunst –, zur ehemaligen Lokomotivreparaturwerkstätte und zu Grabstätten der Gäubahnväter Georg v. Morlok und Otto Elben auf dem Pragfriedhof. Mit der Stadtbahn geht es zum „Hasenberg-Bahnhof“ (Westbahnhof), danach per pedes zum Hasenberg-Tunnel und zur steilen „Heslacher Wand“, einst nur mit einer Nachschub-Lok zu bewältigen, schließlich zum heute vergessenen, aber noch erkennbaren Haltepunkt Heslach.

Die gigantische Modellbahn-Anlage der Stuttgarter City und des Hauptbahnhofs samt Güterbahnhof vor den Veränderungen durch Stuttgart 21 im Maßstab 1:160 in Herrenberg stellt nach der S-Bahnfahrt auf der Gäubahnstrecke einen Höhepunkt des Tages dar. Heimwärts geht es dann mit einem Zug des Fernverkehrs – in Stuttgart über die am Morgen besichtigte alte Panoramastrecke!

Tour 3: Industriedenkmäler an Neckar und Fils

Sesam, öffne Dich!

Mittwoch, 10. Oktober 2018 | Exklusive Tagestour mit Dr. Michael Hascher, Landesamt für Denkmalpflege

29 € pro Person inkl. Führungen, Eintrittsgelder und VVS-Ticket. Festes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung erforderlich.

Treffpunkt/Start: 9 Uhr, Bahnhof Nürtingen, Stadtseite.

Hinfahrt: mit R8 um 8:22 Uhr ab Stuttgart Hauptbahnhof. | Ende gegen 18 Uhr, Rückfahrt ab Bhf. Kuchen mit R1.

Die Höhepunkte:

Verbreitete Armut, keine Infrastruktur und ein Regent, der sich als „König der Landwirte“ sah, so gestaltete sich das schwierige Umfeld für die ersten Fabrikgründungen in Württemberg. Und dennoch entstanden ab 1815 im Königreich Fabriken.

Die Herbsttour mit dem Technikhistoriker und Industriedenkmalpfleger Dr. Michael Hascher vermittelt anhand ehemaliger Textilfabriken an Neckar und Fils – allesamt Industriedenkmale – einen Überblick über den wesentlichsten Schritt bei Württembergs Aufbruch in die Moderne: die Industrialisierung, einschließlich deren technik- wie wirtschafts- und sozialhistorischen Aspekte. In Nürtingen gründete I. F. Otto 1815 eine der ersten Baumwollspinnereien Württembergs. Dieses wertvolle Zeugnis der Industriearchitektur des frühen 19. Jahrhunderts darf als Juwel mit Seltenheitswert gelten: Rundgang durch Areal und Gebäude (Fabrik, Fabrikantenvilla) und zum erhaltenen Schornstein mit Rechteckquerschnitt.

Direkt am Bahnhof von Wendlingen errichtete 1885 Robert Otto eine große Textilfabrik. Die Anlage ist außergewöhnlich gut erhalten. Der ausführliche Rundgang durch das derzeit sonst nicht zugängliche Areal führt teils durch historische Gebäude und auch in das Maschinenhaus mit den einzigartigen frühen Dampfturbinen. Eine Bahnfahrt führt nachmittags in die Mitte des 19. Jahrhunderts: zu Gelände und Gebäuden der ehemaligen „Süddeutschen Baumwollindustrie“ in Kuchen. Highlights sind der Gang durch die ab 1858 errichtete historische Arbeitersiedlung – sie gehört zu den frühesten erhaltenen Industriearbeitersiedlungen überhaupt – und die Reste einer sehr seltenen Transmissionsanlage zur Wasserkraftnutzung, mit der mechanisch die Energie über Drahtseile über 465 Meter zur Spinnerei übertragen wurde.

Tour 4: Wilhelm I. von Württemberg

Der Reformer auf dem Königsthron

Freitag, 19. Oktober 2018 | Exklusive Tagestour mit Dr. Albrecht Ernst, Hauptstaatsarchiv Stuttgart

31 € pro Person inkl. Führungen, Eintrittsgelder und VVS-Ticket. Mittags Einkehrmöglichkeit. Festes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung erforderlich.

Treffpunkt/Start: 9 Uhr, Musik-Pavillon auf dem Schlossplatz.

Hinfahrt: mit U5-U7, U12 oder U15 ab Hauptbahnhof (Arnulf-Klett-Platz), Ende gegen 18 Uhr in Rotenberg, Rückfahrt mit Bus 61 bis S-Bahnhalt Untertürkheim.

Die Höhepunkte:

In den Feldzügen gegen Napoleon hatte sich der spätere König Wilhelm I. als Heerführer ausgezeichnet. Fast ein halbes Jahrhundert lenkte er dann von 1816 bis 1864 die Geschicke des Landes. Und seine Regierungszeit sollte eine Phase des Friedens sein, in der das Land den Aufbruch in die Moderne erlebte. Dabei war er gleich zu Beginn seiner Herrschaft mit einer Wirtschafts- und Hungerkatastrophe und Massenauswanderungen konfrontiert, denen er – unterstützt durch Königin Katharina – mit sozialen Maßnahmen und landwirtschaftlichen Innovationen begegnete. Nachdrücklich förderte er den Ausbau des Eisenbahnnetzes und die Industrialisierung, aber auch die Kultur des Landes (Theater, Bildende Kunst, Architektur). Seine Popularität im Volk spiegelte sich in den Feiern zu seinem 25-jährigen Thronjubiläum 1841.

Der Historiker Dr. Albrecht Ernst unternimmt eine spannende Spurensuche in der einst königlichen Residenzstadt Stuttgart. Überraschend Vieles trägt dort noch die Handschrift des Königs, so in besonderer Weise der Schlossplatz, der unter Wilhelm zum repräsentativen Mittelpunkt der Stadt wurde. Die zu seinem 25-jährigen Regierungsjubiläum errichtete 30 Meter hohe Jubiläumssäule berichtet aus seinem Leben. Exklusive Besuche führen ins „Wilhelmspalais“ (neues Stadtmuseum), erbaut unter Wilhelm I., ins Landesmuseum Württemberg und ins Hauptstaatsarchiv, das für die Tour ausgesuchte Schätze wie den berühmten handkolorierten „Festzug der Württemberger“ von 1841 bereit hält. Auch die Staatsgalerie geht auf Wilhelm I. zurück. Schloss Rosenstein ließ Wilhelm als Sommerresidenz erbauen. Dort starb er am 25. Juni 1864 und wurde neben Königin Katharina auf dem Rotenberg bestattet. Die königliche Grabkapelle ist ein landschaftbeherrschendes und berührendes Zeugnis seiner Person und der Liebe zu seiner Frau.