Tagung »Naturschutz, Denkmalschutz und Landeskunde als Aufgabe«
Ein Jahrhundert Heimatschutz im deutschen Südwesten
Studientagung zum 100-Jahr-Jubiläum des Schwäbischen Heimatbunds in Zusammenarbeit mit der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart (Referat Geschichte)
Leitung: Dr. Dieter R. Bauer und Prof. Dr. Wilfried Setzler
Freitag, 13. Februar, 15.00 Uhr, bis Sonntag, 15. Februar 2009, 14.00 Uhr
Vor dem Hintergrund oft als bedrohlich erlebter Industrialisierungs- und Verstädterungsprozesse kam es im ausgehenden 19. Jahrhundert zu einer stark zivilisationskritischen Bewegung zum Schutz der Heimat, mit romantisierenden Zügen, Natur und Landleben idealisierend. Ein Vordenker war dabei der Berliner Ernst Rudorff, der 1904 den Bund Heimatschutz gründete. Auf Initiative des Tübinger Professors Carl Johannes Fuchs wurde fünf Jahre später, am 12. März 1909, in Stuttgart ein eigener Landesverband gegründet: der Württembergische Bund für Heimatschutz, ab 1910 Bund für Heimatschutz in Württemberg und Hohenzollern - der heutige Schwäbische Heimatbund. Gegen ungezügelten Kapitalismus und Industrialisierung, gegen Landschaftszerstörung und wuchernde Siedlungen ging es um Schutz und Stärkung regionaler Identität. Erklärte Absicht war, die schwäbische Heimat in ihrer natürlich und geschichtlich gewordenen Eigenart zu schützen.
Sektion 1: Frühe Geschichte des Schwäbischen Heimatbunds
Den historischen Horizont stellt zu Beginn der Tagung ein Vortrag vor Augen, der im Zusammenhang von Natur, Geschichte, Tradition - Bewahren und Gestalten auch Entstehung und Ort des Heimatschutzes in der Moderne näher bestimmt. In einer ersten Sektion geht es dann um die frühe Geschichte des Heimatbunds. Am Anfang steht dabei - die spätere Entwicklung bereits im Blick - die Frage nach der begrifflich angezeigten regionalen Eingrenzung (württembergisch? / schwäbisch?). Der Gründungsanlass von 1909: der Streit um die Platanen auf der Tübingen Neckarinsel, wird eigens beleuchtet, dann der Entstehung des Heimatschutzgedankens in Hohenzollern nachgespürt, bis zur Gründung einer Landesgruppe.
Sektion 2: Denkmalpflege und Denkmalschutz
Die zweite Sektion Denkmalpflege / Denkmalschutz wird eingeleitet durch grundsätzliche Ausführungen zum Zusammenhang von Heimatschutz und Denkmalpflege. Beim Fallbeispiel Neues Bauen spielt auch die Auseinandersetzung um die Stuttgarter Weißenhofsiedlung eine Rolle. Eigens thematisiert wird das Engagement des Heimatbunds für den Denkmalschutz in der Zeit von Wiederaufbau und Wirtschaftswunder. Ein eigener Beitrag ist Felix Schuster, Architekt und Professor an der Staatsbauschule, gewidmet, ein weiterer dem Peter-Haag- und Denkmalschutzpreis.
Sektion 3: Heimatschutz und Naturschutz
Der dritten Sektion Heimatschutz und Naturschutz werden Überlegungen zur Bedeutung von Heimat im Bereich des Naturschutzes vorangestellt, bevor es dann konkret um Entwicklung und Wandel des Naturschutzgedankens im Heimatbund geht und als besondere Persönlichkeit Hans Schwenkel, Landschaftschronist und Naturschützer, in den Blick genommen wird.
Sektion 4: Heimat - nicht ganz unpolitisch gesehen
Heimat und Heimatschutz sind dem Begriff wie der Sache nach durch nationalsozialistischen Missbrauch hochproblematisch geworden; dementsprechend wird in der vierten Sektion Heimat - nicht ganz unpolitisch gesehen zunächst insgesamt der Heimatbund in der NS-Zeit untersucht. In einer Fallstudie wird dem Dichter und Naturschützer Ludwig Finckh und dessen prekärem Engagement für die Heimat nachgegangen. Friedhöfe und Außenreklame waren einmal wichtige Themen im politischen Raum.
Sektion 5: Der "Schwäbische" Heimatbund nach 1949
Der neue, der "Schwäbische" Heimatbund nach 1949 - so ist die fünfte Sektion überschrieben. Hier wird zunächst gefragt, ob oder inwieweit in den 1950er Jahren ein wirklicher Neubeginn festgestellt werden kann, und dann, inwieweit die Auseinandersetzung mit Heimat nach 1968 zu Rückbesinnung und Neubestimmung führte - dies mit speziellem Blick auf das Wirken Willy Leygrafs. Ein eigener Beitrag verweist auf das Engagement für die Freilichtmuseen. Schwäbisches Heimatbuch und ,Schwäbische Heimat sind Gegenstand gesonderter Betrachtung wie auch das Engagement des Heimatbunds vor Ort am Beispiel der Ortsgruppe Heilbronn. Den Abschluss bildet der Blick auf Gegenwart und Zukunft des Heimatbunds: Bilanz und Perspektiven.
Tagungsort:
Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart Tagungszentrum Hohenheim Paracelsusstraße 91, 70599 Stuttgart (in der Nähe der Universität Hohenheim)
Tagungskosten:
Tagungsbeitrag inkl. Verpflegung und Übernachtung: im Doppelzimmer 177,- Euro / im Einzelzimmer 201,- Euro / Studierende und Arbeitslose (nur DZ) 117,- Euro. ohne Übernachtung und Frühstück 131,- Euro / Studierende und Arbeitslose 71,- Euro
Das ausführliche Programm erhalten Sie beim Schwäbischen Heimatbund oder bei der Akademie.
Federführender Veranstalter der Tagung ist das Referat Geschichte der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, deren Geschäftsbedingungen deshalb bei dieser Veranstaltung gelten.
Anmeldung und Information:
Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
Geschäftsstelle / Referatsassistenz Geschichte:
Kerstin Hopfensitz M.A.
Im Schellenkönig 61, 70184 Stuttgart
Tel: 0711 1640-752, Fax: 0711 1640-852
E-Mail: Hopfensitz@akademie-rs.de
Die Anmeldung zur Tagung wird nur schriftlich (Postkarte, Fax, E-Mail) bis spätestens zum 29. Januar 2009 erbeten. Mit der schriftlichen Bestätigung der Akademie wird die Buchung für beide Seiten verbindlich. Bei Rücktritt von der Anmeldung zwischen 30. Januar und 11. Februar 2009 (Eingangsdatum) wird Ihnen die Hälfte der Kosten in Rechnung gestellt, danach bzw. bei Fernbleiben die Gesamtkosten. Insbesondere bei Übernachtung im Tagungshaus wird eine frühzeitige Anmeldung empfohlen. Die Zuteilung der Zimmer erfolgt nach Datum des Posteingangs. Bei der Ankunft werden die Zimmer an der Rezeption zugewiesen. Dort können Sie auch die Tagungskosten begleichen (in bar oder mit EC-Card).
